Ärzte Zeitung online, 20.11.2017

HPV-bedingte Tumoren

Nicht nur Zervixkarzinome!

Kommentar von Thomas Müller

Es ist eine beeindruckende Zahl, die das RKI ausgerechnet hat: Jedes Jahr erkranken 7600 Menschen in Deutschland an einer HPV-bedingten Krebserkrankung, etwa 1,6 Prozent aller Tumoren werden durch HP-Viren verursacht.

Was vielen vielleicht nicht klar ist: Mehr als 40 Prozent aller HPV-bedingten Tumoren wachsen nicht am Gebärmutterhals, sondern anderswo, und fast jeder fünfte Patient mit einem HPV-Tumor ist männlich. Es geht also nicht nur um Gebärmutterhalskrebs, sondern auch um Mund-, Rachen- und Peniskarzinome. Gerade bei Letzteren wird eine deutlich steigende Inzidenz beobachtet.

Man darf davon ausgehen, dass durch eine Impfung die meisten HPV-Tumoren vermieden werden können – moderne Vakzinen decken bis zu neun der häufigsten HPV-Serotypen ab. Sollten also Mädchen und Jungen geimpft werden?

Die STIKO überprüft ihre Empfehlungen gerade, die Urologenverbände sind dafür, auch weil Männer das Virus häufig übertragen. Letztlich ist es aber auch eine Kostenfrage: Wie viel Geld ist die Gesellschaft bereit, für die Eliminierung von HPV-Tumoren in die Hand zu nehmen? Es wäre interessant, die Kosten einer flächendeckenden Impfung gegen die direkten und indirekten Kosten von HPV-Tumoren aufzurechnen. Vielleicht könnte das bei der Entscheidungsfindung helfen.

Lesen Sie dazu auch:
Durch Impfung: 7600 HPV-Tumoren pro Jahr sind vermeidbar

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