Direkt zum Inhaltsbereich

Nach Ebola

Jetzt drohen Westafrika andere tödliche Erkrankungen

Durch den Ausbruch der Ebola-Epidemie konnten in Westafrika Impfkampagnen etwa gegen Masern oder Polio nicht fortgeführt werden. Experten warnen jetzt: Zehntausende könnten an den Folgen der mangelnden Prävention sterben.

Katharina GrzegorekVon Katharina Grzegorek und Jana Kötter Veröffentlicht:
Die Ebola-Epidemie könnte noch ganz andere gravierende Folgen haben.

Die Ebola-Epidemie könnte noch ganz andere gravierende Folgen haben.

© picture alliance / dpa

FRANKFURT / MONROVIA. Trotz der aufkommenden Zuversicht, die bislang gewaltigste Ebola-Epidemie in Westafrika unter Kontrolle gebracht zu haben, zeichnet sich deutlich ab, dass für die betroffenen Länder weiterhin große Risiken bestehen.

"Zwar ist die Epidemie nicht mehr flächendeckend", sagte Professor Stephan Becker von der Universität Marburg am Mittwochabend bei der jüngsten Sitzung der Frankfurter Medizinischen Gesellschaft.

"Doch die Tatsache, dass heute einzelne Hotspots, die epidemiologisch nicht zu verknüpfen sind, betroffen sind, macht die Bekämpfung noch schwerer", so der Virologe auf der Veranstaltung mit dem Titel "Ebola: Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen".

Darüber hinaus sei die Gefahr der Ausbreitung anderer Viruserkrankungen akuter denn je zuvor, merkte Professor René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt, an. "Ein Gesundheitswesen ist praktisch nicht vorhanden."

So konnten nach dem Ausbruch der Seuche Impfkampagnen, wie etwa gegen Masern, nicht fortgeführt werden.

Bis zu 16.000 Masern-Tote möglich

Forscher um Justin Lesser von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore erstellten nun eine Hochrechnung, wie viele Kinder in den drei betroffenen Ländern seit Beginn der Epidemie nicht geimpft wurden und wie viele sich im Falle eines Masern-Ausbruchs anstecken könnten (Science 2015; 347:1240-1242).

Unter der Annahme, dass die Impfrate nach dem Ausbruch um 75 Prozent zurückging, sei die Zahl der ungeimpften Kinder zwischen neun Monaten und fünf Jahren mit jedem Monat um durchschnittlich 19.514 gestiegen, so die Berechnungen.

Komme es zu einem Masern-Ausbruch, könnten bis zu 227.000 Menschen erkranken, zwischen 2000 und 16.000 könnten sterben.

Einen Rückgang der Impfraten vermuten sie auch für andere Krankheiten wie Polio, Pertussis oder Tetanus.

Der Zusammenbruch der Gesundheitssysteme habe darüber hinaus die Versorgung von Menschen mit HIV oder Tuberkulose behindert, auch Maßnahmen gegen Malaria seien eingestellt worden, zählen die Forscher auf.

"Diese Rückschläge haben das Potenzial, die beträchtlichen Erfolge zu untergraben, die in den vergangenen Jahrzehnten bei der Kontrolle dieser Erkrankungen erreicht wurden", so Lesser.

Ein weiteres Problem: Viele Ebola-Überlebende leiden offenbar an Spätfolgen. Eine Befragung von 250 Überlebenden hat zum Beispiel ergeben, dass 60 Prozent von ihnen weiterhin heftige Gelenkschmerzen, 20 Prozent Probleme mit den Augen haben.

Hinzu kamen psychologische Spätfolgen, wie Depressionen oder Posttraumatische Belastungsstörungen. Auch die Stigamtisierung von Ebola-Überlebenden sei ein Problem, so Becker.

Neben den gesundheitlichen Risiken und Folgeschäden in den betroffenen Ländern wiegt vor allem der wirtschaftliche Schaden hoch. Die Vereinten Nationen schätzen, dass es zehn Jahre dauern könnte, bis die Länder die Folgen überwunden hätten.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund: Ebola: Sich jetzt zurückzulehnen, wäre ein Fehler

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Peter Peschel 14.03.201511:08 Uhr

Jetzt wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben

Angst und Impfungen scheinbar ein riesen Geschäft. Viele Staaten (Steuerzahler / Bürger ) haben nach der Schweinegrippe und Co. viel Geld gezahlt... Für was eigentlich ?

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

© Springer Medizin Verlag GmbH

Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Dr. Gunther Gosch ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin aus Magdeburg und beschäftigt sich seit vielen Jahren schwerpunktmäßig mit der Notwendigkeit von Impfungen, insbesondere bei Säuglingen und Kindern.

© Portraitfoto Dr. Gosch: © Kai Spaete, Viren: © [M] Dr_Microbe / Getty Images / iStock; Bakterien: © [M] Kateryna_Kon / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Auffrischimpfung: Polio und Pertussis vergessen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Dermatologin Yael Adler gibt Tipps

Wie man Hypochondern in der Praxis am besten begegnet

Biopsychosozial vorgehen!

So unterstützen Sie Ihre Patienten bei funktionellen Körperbeschwerden

Erfahrungen einer Praxismanagerin

Praxisbegehung angekündigt? Die wichtigsten Tipps zur Vorbereitung

Lesetipps
Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

Arzt hält Modell vom Herzen in rechter Hand und Blutzuckermessgerät in linker Hand.

© RF (royalty free)

Risiko einschätzen und Lebensstil ändern

Diabetes und Vorhofflimmern: Das hilft gegen die gefährliche Kombi