Ärzte Zeitung, 13.01.2011

Antibiose bei Zystitis erfordert Umdenken

In einer großen internationalen Studie mit insgesamt mehr als 4000 Frauen wurde die Resistenzsituation von Erregern in der Therapie bei unkomplizierter Zystitis analysiert. Aus den Studiendaten ergeben sich wichtige Konsequenzen für die tägliche Praxis.

Von Ingrid Kreutz

Antibiose bei Zystitis erfordert Umdenken

STRAUBING. An der ARESC (Antimicrobial Resistance Epidemiological Survey)-Studie nahmen mehr als 4000 Frauen mit den klinischen Zeichen einer unkomplizierten Infektion der unteren Harnwege (zum Beispiel Dysurie, Harndrang, häufige Harnentleerungen, suprapubischer Schmerz) aus neun europäischen Ländern, einschließlich Deutschland, teil (Der Urologe 2010; 2: 253).

Antibiose bei Zystitis erfordert Umdenken

Gesprächsbedarf bei unkomplizierter Zystitis: Bei den Antibiotika zur empirischen Therapie hat sich die Resistenzlage verändert.

© endostock / fotolia.com

In Deutschland waren acht Zentren mit 412 Patientinnen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren an der Untersuchung beteiligt. Darunter waren auch Frauen mit rekurrierendem Harnwegsinfekt (drei dokumentierte Infekte in den letzten zwölf Monaten), Schwangere und Diabetikerinnen.

Eine unkomplizierte Harnwegsinfektion wurde definiert durch den Nachweis von 104 cfu/ml im Mittelstrahl- oder Katheterurin (cfu steht für: colony forming units).

Die Untersuchungen erfolgten von September 2003 bis Juni 2006. Es wurden 317 Isolate von 310 Frauen zur weiteren mikrobiologischen Untersuchung an das Zentrallabor geschickt. Der häufigste nachgewiesene Erreger war Escherichia coli bei 243 Patientinnen (76 Prozent), wie Professor Kurt Naber aus Straubing und seine Arbeitsgruppe berichten.

In Deutschland und auch international isolierte Escherichia coli zeigten die höchste Empfindlichkeit gegenüber Fosfomycin mit 97,9 und 98,1 Prozent, gefolgt von Mecillinam mit 97,5 und 95,8 Prozent, Nitrofurantoin mit 95,4 und 95,2 Prozent und Ciprofloxacin mit 95,4 und 91,3 Prozent. Die niedrigste Empfindlichkeit wurde in der Studie gegenüber Ampicillin mit 59,2 und 45,1 Prozent festgestellt.

Für das gesamte Erregerspektrum betrug die Empfindlichkeit gegenüber Fosfomycin 96,1 und 96,4 Prozent, gegenüber Mecillinam 97,5 und 95,9 Prozent, Ciprofloxacin 92,3 und 90 Prozent, Nitrofurantoin 86,3 und 87 Prozent und Ampicillin 56,6 und 42,5 Prozent.

Aus der in Deutschland festgestellten Resistenzsituation ergeben sich für die deutschen Experten folgende Konsequenzen für die empirische Therapie bei der akuten Zystitis:

Nach den Ergebnissen der ARESC-Studie können aufgrund der günstigen Resistenzsituation gegenüber uropathogenen Erregern uneingeschränkt nur Fosfomycin, Mecillinam (in Deutschland nicht verfügbar) oder Nitrofurantoin (unter Berücksichtigung der Einschränkungen gemäß der Fachinformation) als empirische Antibiotikatherapie bei der unkomplizierten Zystitis der Frau eingesetzt werden.

Eine Metaanalyse von insgesamt 17 Vergleichsstudien belegt ein äquivalentes Ansprechen einer Einmaltherapie mit 3 g Fosfomycin-Trometamol und anderen untersuchten mehrtägigen Antibiotikaregimen. Nitrofurantoin darf laut Fachinfo nur dann verabreicht werden, wenn effektivere und risikoärmere Antibiotika oder Chemotherapeutika nicht einsetzbar sind.

Fluorchinolone sollten wegen der zunehmenden Resistenzselektion nicht mehr als Mittel der ersten Wahl bei akuter Zystitis gelten, empfehlen die deutschen Experten.

Und: Cotrimoxazol (und damit auch Trimethoprim), das in der Vergangenheit als empirische Standardtherapie mit dreitägiger Anwendung galt, sollte nicht mehr zur empirischen Therapie herangezogen werden, es sei denn, es liegen lokal valide Untersuchungsergebnisse vor, die eine Resistenzrate von unter 20 Prozent belegen.

In Deutschland zeigten sich nach den Ergebnissen der Studie etwa 26 PProzent der Erreger und international 29 Prozent resistent gegen Cotrimoxazol. Die untersuchten Aminopenicilline, die entweder hohe (Ampicillin) oder mittlere Resistenzraten aufweisen, eigneten sich nicht für die Kurzzeittherapie bei der unkomplizierten Zystitis, so das Fazit der deutschen Experten.

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