Ärzte Zeitung, 02.10.2007

Leitlinie empfiehlt Zusatz von Adefovir bei HBV-Resistenz

Nach fünf Jahren sprechen fast 80 Prozent der Patienten nicht mehr auf Lamivudin an

BOCHUM (awa). Bei vielen Patienten mit chronischer Hepatitis B werden die Viren während einer initialen Monotherapie mit Lamivudin resistent. Die zusätzliche Verordnung von Adefovir verhindert weitere Resistenzen.

Diese Add-On-Strategie bei Versagen der Monotherapie wird in der neuen S3-Leitlinie zur "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis B" empfohlen. Nicht ratsam ist demnach der Wechsel von einer Monotherapie auf eine andere.

Eine Langzeittherapie mit Nukleotid- und Nukleosid-Analoga - beides Hemmer der viralen Polymerase - sei für die meisten Patienten mit chronischer Hepatitis B indiziert, sagte Privatdozent Jörg Petersen aus Hamburg beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Bochum. Eine immunmodulatorische Behandlung mit Interferon alfa sei nur für knapp zehn Prozent der Patienten geeignet.

In Analogie zur HIV-Therapie solle auch bei Hepatitis B mit den hoch wirksamen Nukleot(s)id-Analoga die Virusvermehrung dauerhaft unterdrückt und möglichst Resistenzen vermieden werden.

So sprechen nach fünf Jahren fast 80 Prozent der Patienten nicht mehr auf das oft initial eingesetzte Nukleosidanalogon Lamivudin an. Mit dem Nukleotidanalogon Adefovir (Hepsera®) ist das nur bei 30 Prozent der Fall, so Petersen bei der Veranstaltung von Gilead.

Unter bestimmten Bedingungen müsse die Therapie angepasst werden. Das gilt, wenn die Viruskonzentration nach Start einer antiviralen Monotherapie innerhalb von sechs Monaten nicht unter 300 HVB-DNA Kopien/ml sinkt (primäre Resistenz). Eine Anpassung ist auch nötig, wenn die HBV-DNA-Konzentration nach erstem Ansprechen wieder um mehr als eine Logstufe steigt (sekundäre Resistenz). Es dürfe nicht abgewartet werden, bis sich das Therapieversagen auch klinisch mit erhöhten Transaminasen manifestiert.

Bei Lamivudin-Resistenz empfiehlt die Leitlinie den Zusatz von Adefovir. So gab es in einer Studie mit 46 chronisch HBV-Infizierten auch innerhalb von drei Jahren nach Adefovir-Zugabe zur fortlaufenden Lamivudin-Therapie keine Adefovir-Resistenzen.

Mehr Infos im Internet unter www.kompetenznetz-hepatitis.de

STICHWORT

Hepatitis B

Weltweit hatten etwa 2,5 Milliarden Menschen eine akute Infektion mit Hepatitis-B-Viren, bei 300 bis 400 Millionen Menschen ist die Infektion chronisch geworden. Hepatitis B steht auf Platz zehn der Todesursachen weltweit. Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts in Berlin sind in Deutschland Antikörper (Anti-HBc) als Merkmal einer durchgemachten Hepatitis-B-Infektion bei 7 Prozent der Bevölkerung nachweisbar, 0,4 bis 0,7 Prozent der Bevölkerung sind chronische Virusträger. Dagegen beträgt etwa die Prävalenz der chronischen HBV-Infektion in Asien 10 Prozent, in der Türkei 8 Prozent. Von den etwa 500 000 in Deutschland lebenden Virusträgern wissen nach Schätzungen nur 50 000 von ihrer Erkrankung und nur jeder Zehnte wird behandelt. Die Hälfte der Patienten mit chronischer Hepatitis B in Deutschland sind Migranten. (awa)

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