Ärzte Zeitung, 24.04.2009

Tollwutangst nach Biss? Info vom Amtstierarzt beruhigt

Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei / Wildtiere werden weiter überwacht

NEU-ISENBURG (eis). Ein umherirrendes Wildschwein hat in einer Kleingartenkolonie in Südhessen eine ältere Frau gebissen. Braucht die Frau eine Tollwutimpfung? Höchstwahrscheinlich nicht, sagt Dr. Jan Leidel von der "Hotline Impfen"

"Ich rate, sich sicherheitshalber beim zuständigen Amtstierarzt zu vergewissern, dass in dem entsprechenden Gebiet kein Fall von Tollwut bei Wildtieren bekannt geworden ist", sagt das Mitglied der Ständigen Impfkommission: "Dies wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein, und die gebissene Patientin benötigt keine Tollwutimpfung".

Grundsätzlich können zwar auch Wildschweine an Tollwut erkranken und diese weitergeben, sagt der Direktor des Kölner Gesundheitsamts. Allerdings gilt Deutschland wie alle anderen westeuropäischen Länder als tollwutfrei. Seit zwei Jahren war nämlich bei uns kein (terrestrischer) Fall von Tollwut mehr registriert worden. Der letzte Fall in Deutschland trat Februar 2006 bei einem Fuchs in der Nähe von Wiesbaden auf. Jedoch werden Haus- und Wildtiere wie Füchse weiter überwacht. Tollwut-Infektionsrisiken haben Menschen aus Deutschland fast nur noch bei Reisen in Endemie-Länder. 2007 hatte sich zuletzt ein Deutscher in Marokko bei einem Hund infiziert.

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In Rumänien gibt es überall wilde Hunderudel: Die Impfung gegen Tollwut ist zu empfehlen

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