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Europäische Impfwoche

"Viele Kinder werden zu spät geimpft"

Am Montag hat die 10. Europäischen Impfwoche begonnen. Vor dem Hintergrund der grassierenden Masernwelle in Berlin fordern Gesundheitsminister Gröhe, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Robert Koch-Institut mehr Engagement - und sehen dabei vor allem auch die Ärzte in der Pflicht.

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BERLIN. "Wer leichtfertig eine Impfung ablehnt, gefährdet auch die, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können", betont Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe anlässlich der am Montag gestarteten 10. Europäischen Impfwoche.

Besonders angesichts des seit Monaten anhaltende Masernausbruchs in Berlin, der sich jetzt auch in andere Regionen Deutschlands ausbreitet, müssen Impflücken geschlossen werden.

"Wir brauchen jetzt eine Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und allen anderen Verantwortlichen", so der Minister in einer gemeinsamen Erklärung seines Ministeriums, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Robert Koch-Instituts (RKI).

"Mit dem Präventionsgesetz werde die Beratung und Aufklärung zum Impfschutz verbessert", so Gröhe: Wir müssen alle Gesundheits-Routineuntersuchungen nutzen, um den Impfschutz zu überprüfen. Bei der Aufnahme in die Kita müsse zudem künftig ein Nachweis über eine ärztliche Impfberatung vorgelegt werden.

Osten schneidet am Besten ab

Die Schulanfänger-Impfquoten sind in den letzten Jahren gestiegen oder konstant hoch geblieben, heißt es in dem Bericht. So hat sich die Impfquote für die zweite Masernimpfung von 2012 auf 2013 nur geringfügig erhöht, von 92,4 auf 92,6 Prozent (Epi Bull 2015; 16: 131).

Für die Elimination ist eine Impfquote von 95 Prozent für beide Masernimpfungen erforderlich. Diese Quote erreichen bisher Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, knapp darunter (maximal 1 Prozentpunkt) liegen Thüringen, Nordrhein-Westfalen und erstmals Rheinland-Pfalz.

"Allerdings werden viele Kinder zu spät gegen die Masern geimpft", wie Professor Lothar H. Wieler, der neue RKI-Präsident, anmerkt. Nicht oder nicht ausreichend geimpfte Kinder haben ein erhöhtes Krankheitsrisiko.

Ein maßgeblicher Grund für die starke Verbreitung der Masern in Berlin und zunehmend auch in Sachsen und Thüringen sind die großen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Nach Ergebnissen der DEGS-Studie des RKI hatten unter den 18 bis 44-Jährigen nur 56,9 Prozent mindestens eine Masernimpfdosis erhalten.

"Das Erreichen des Eliminationsziels ist nur realistisch, wenn diese Impflücken so schnell wie möglich geschlossen werden. Hierfür erscheint ein aufsuchendes Impfangebot in Kombination mit einer entsprechenden Informationskampagne das einzig erfolgversprechende Konzept", betont Wieler.

Kampagne und Materialien

Mit der Kampagne "Deutschland sucht den Impfpass" macht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf die Überprüfung des Impfstatus und speziell auch auf die Masern-Impfung aufmerksam.

"Die Kampagne soll Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die nach 1970 geboren sind, dazu motivieren, ihren Masern-Impfschutz bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt überprüfen zu lassen und fehlende Impfungen schnell nachzuholen", erklärt Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.

Neben ausführlichen, wissenschaftsbasierten Informationen zu einer Reihe von Impfungen und den Inhalten der Aktion "Deutschland sucht den Impfpass", bietet die Internetseite www.impfen-info.de der BZgA auch eine Entscheidungshilfe für eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung, einen aktuellen Impfkalender sowie einen interaktiven Masern-Impfcheck.

Neben den Impfquoten kommt einer - international vernetzten - molekularen Surveillance eine Schlüsselrolle zu. Nur durch umfassende Genotypisierung und epidemiologische Analysen sind Infektketten, die häufig mehrere Staaten betreffen, nachvollziehbar.

 Gesundheitsämter oder Ärzte sollten daher von jedem Masernverdachtsfall Proben an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Masern, Mumps, Röteln am Robert Koch-Institut schicken. Das NRZ ist auch regionales WHO-Referenzlabor für Masern und Röteln. (eb/eis)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Fortschritte beim Impfen?

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