Ärzte Zeitung, 25.05.2016
 

FSME

Auffrisch-Impfung muss nicht in den Muskel

Funktioniert die FSME-Impfung auch subkutan? Österreichische Forscher haben nachgewiesen, dass auf diesem Wege gleich gute Immunantworten erzielt werden wie mit dem Pieks in den Muskel.

WIEN. Es ist eine Option, die zum Beispiel für sehr adipöse Impflinge oder auch für Patienten, die unter einer Antikoagulationstherapie stehen, interessant sein könnte: die subkutane Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Die Einnahme von Antikoagulanzien erhöht naturgemäß die Blutungsneigung; daher gilt sie als Kontraindikation für einen intramuskulären Nadelstich. Bei Patienten mit extremer Adipositas begegnet man einem anderen Problem: Hier kann es sein, dass die empfohlene Einstichstelle am Musculus deltoideus sich wegen der dicken Fettschicht mit der Nadel kaum erreichen lässt.

In beiden Fällen wäre es von Vorteil, wenn man den Impfstoff unter die Haut (s. c.) applizieren könnte.

Auch subkutan möglich

Derzeit sind die beiden verfügbaren FSME-Impfstoffe nur für die intramuskuläre Applikation zugelassen. Wie ein Forscherteam von der Universität in Wien jetzt nachweisen konnte, scheint zumindest die Auffrischimpfung gegen FSME allerdings auch auf subkutanem Wege zu funktionieren (Vaccine 2016; 34: 2027-2034).

Stefan Hopf und seine Arbeitsgruppe haben die beiden Applikationsarten an insgesamt 116 vollständig gegen FSME grundimmunisierten Impflingen verglichen. Bei allen Studienteilnehmern lag die letzte Impfdosis mindestens zwei Jahre zurück.

Die eine Hälfte erhielt die Auffrischimpfung mit dem inaktivierten Stamm Neudörfl empfehlungsgemäß in einem 90°-Winkel in den M. deltoideus, bei der anderen Hälfte der Teilnehmer wurde in einem 45°-Winkel unter die Haut gestochen.

Sowohl vor der Auffrischimpfung als auch eine Woche, einen Monat sowie ein halbes Jahr danach nahmen Hopf und Kollegen Blutproben, um den jeweiligen Antikörpertiter zu bestimmen.

In beiden Gruppen, also sowohl bei den i. m. als auch bei den s. c. geimpften Studienteilnehmern, wurden nach einem Monat Spitzentiter gemessen, die sich nicht signifikant voneinander unterschieden (574,8 versus 612,0 GMT (Geometric Mean Titers)).

Nach sechs Monaten hatten sich die Antikörpertiter wieder etwas zurückgebildet, und zwar ebenfalls in gleichem Maße (420,1 versus 380,5 GMT). Damit lagen die Halbjahrestiter in beiden Gruppen immer noch etwa doppelt so hoch wie vor der Auffrischimpfung.

Schwellungen an Einstichstelle

In der Woche nach der Impfung zeigte sich, dass die Injektion unter die Haut zu deutlich häufigeren und auch stärkeren lokalen Reaktionen geführt hatte.

Beobachtet wurden vor allem Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle, gefolgt von Rötung und Juckreiz. Dagegen waren systemische Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen in beiden Gruppen gleich selten.

Den Forschern zufolge ist die subkutane Applikation bei der FSME-Auffrischimpfung durchaus als Alternative zu empfehlen; über das erhöhte Risiko lokaler Reaktionen müsse man den Impfling jedoch informieren. (eo)

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