Ärzte Zeitung online, 27.06.2018

Reisemedizin

Polio-Ausbruch in Papua-Neuguinea beunruhigt WHO

Auf Papua-Neuguinea gibt es den ersten Ausbruch von Poliomyelitis seit 22 Jahren, berichtet die WHO.

Von Wolfgang Geissel

PORT MORESBY. In der Provinz Morobe von Papua Neuguinea ist erstmals seit 1996 ein Polio-Fall bei einem Sechsjährigen bestätigt worden, berichtet die WHO. Das Kind hatte Ende April Lähmungen an den Beinen gehabt. Im Mai wurde dann eine Impfpolio mit einem "vaccine derived" Poliovirus Typ 1 (VDPV1) aus der oralen Lebendvakzine (OPV) diagnostiziert.

Was die Behörden beunruhigt: Der Erreger breitet sich in der Region aus. Letzte Woche wurde das Virus aus dem Stuhl zweier gesunder Kinder aus der Umgebung des Jungen isoliert. Die WHO spricht daher jetzt von einem Ausbruch.

Die Situation ist ungünstig: Nur 61 Prozent der Kinder in der Provinz sind nach WHO-Angaben mit drei Dosen komplett gegen Polio geimpft. Sauberes Wasser sei Mangelware, Abfall- und Abwasserbeseitigung eine Herausforderung.

Impfpolio kommt sehr selten bei Impfung mit OPV vor, es gab sie bis in die 1990er Jahre auch in Deutschland. Nach der Schluckimpfung scheiden Impflinge die abgeschwächten Impfviren über kurze Zeit aus. Bei schlechter Hygiene können diese sich in der Umgebung ausbreiten. Gefährlich ist es, wenn die Viren in einer schlecht geimpften Bevölkerung länger zirkulieren. Sie können dann nämlich in pathogene Viren zurückmutieren und Polio verursachen. Durch Wechsel auf den Totimpfstoff (IPV) besteht in Deutschland und anderen Industrieländern kein Risikomehr.

Festhalten an Schluckimpfung

Wie in anderen Entwicklungsländern auch, wird in Papua Neuguinea an der Schluckimpfung festgehalten. Dort versuchen die Behörden jetzt, den Ausbruch mit Impfkampagnen zu ersticken. Um Impflücken zu schließen, gab es Nachholimpfungen bei 845 Kindern bis 15 Jahre in der Gemeinde des Erkrankten ("mop up"-Kampagne). Außerdem wurden in der Bevölkerung Stuhlproben genommen, um die Ausbreitung des Erregers zu ermitteln. Und schließlich wurde die Surveillance akuter schlaffer Lähmungen (AFP) intensiviert.

Die WHO appelliert zudem auch an Länder wie Deutschland, durch hohe Impfraten eine mögliche Einschleppung von Polioviren durch Fernreisende zu verhindern. Auch sei eine akribische AFP-Surveillance nötig, um importierte Erkrankungen sofort erkennen und gegensteuern zu können.

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