Direkt zum Inhaltsbereich

Reisemedizin

Polio-Ausbruch in Papua-Neuguinea beunruhigt WHO

Auf Papua-Neuguinea gibt es den ersten Ausbruch von Poliomyelitis seit 22 Jahren, berichtet die WHO.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:

PORT MORESBY. In der Provinz Morobe von Papua Neuguinea ist erstmals seit 1996 ein Polio-Fall bei einem Sechsjährigen bestätigt worden, berichtet die WHO. Das Kind hatte Ende April Lähmungen an den Beinen gehabt. Im Mai wurde dann eine Impfpolio mit einem "vaccine derived" Poliovirus Typ 1 (VDPV1) aus der oralen Lebendvakzine (OPV) diagnostiziert.

Was die Behörden beunruhigt: Der Erreger breitet sich in der Region aus. Letzte Woche wurde das Virus aus dem Stuhl zweier gesunder Kinder aus der Umgebung des Jungen isoliert. Die WHO spricht daher jetzt von einem Ausbruch.

Die Situation ist ungünstig: Nur 61 Prozent der Kinder in der Provinz sind nach WHO-Angaben mit drei Dosen komplett gegen Polio geimpft. Sauberes Wasser sei Mangelware, Abfall- und Abwasserbeseitigung eine Herausforderung.

Impfpolio kommt sehr selten bei Impfung mit OPV vor, es gab sie bis in die 1990er Jahre auch in Deutschland. Nach der Schluckimpfung scheiden Impflinge die abgeschwächten Impfviren über kurze Zeit aus. Bei schlechter Hygiene können diese sich in der Umgebung ausbreiten. Gefährlich ist es, wenn die Viren in einer schlecht geimpften Bevölkerung länger zirkulieren. Sie können dann nämlich in pathogene Viren zurückmutieren und Polio verursachen. Durch Wechsel auf den Totimpfstoff (IPV) besteht in Deutschland und anderen Industrieländern kein Risikomehr.

Festhalten an Schluckimpfung

Wie in anderen Entwicklungsländern auch, wird in Papua Neuguinea an der Schluckimpfung festgehalten. Dort versuchen die Behörden jetzt, den Ausbruch mit Impfkampagnen zu ersticken. Um Impflücken zu schließen, gab es Nachholimpfungen bei 845 Kindern bis 15 Jahre in der Gemeinde des Erkrankten ("mop up"-Kampagne). Außerdem wurden in der Bevölkerung Stuhlproben genommen, um die Ausbreitung des Erregers zu ermitteln. Und schließlich wurde die Surveillance akuter schlaffer Lähmungen (AFP) intensiviert.

Die WHO appelliert zudem auch an Länder wie Deutschland, durch hohe Impfraten eine mögliche Einschleppung von Polioviren durch Fernreisende zu verhindern. Auch sei eine akribische AFP-Surveillance nötig, um importierte Erkrankungen sofort erkennen und gegensteuern zu können.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

© Vladimir Vladimirov | iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Round-Table-Gespräch

Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Registerauswertung aus neun Bundesländern

Mehr Darmkrebs-Neudiagnosen bei Jüngeren in Deutschland

Lesetipps
Hausarzt Florian Vorderwülbecke mit seiner Tasche

© Vincenz Vorderwülbecke

Auf Haus- und Heimbesuch

Die perfekte Hausbesuchstasche: Worauf Sie beim Packen achten können

Viel hilft viel? Die Studienlage zu Probiotika ist im besten Falle durchwachsen.

© Romario Ien / stock.adobe.com

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?