Ärzte Zeitung, 17.02.2011

Weiterer Grippeimpfstoff auf Zellkulturbasis in Sicht

ORTH (hub). Zum Grippeimpfstoff aus Verozellen von Baxter wurden jetzt Studiendaten veröffentlicht. Fast 7300 Personen im Alter von 18 bis 49 Jahren haben an einer Phase-III-Studie zu einem Grippeimpfstoff auf Zellkulturbasis teilgenommen.

Eine Hälfte erhielt die aus Verozellen gewonnene trivalente Vakzine, die andere Placeboinjektionen. Endpunkt: die Effektivität im Hämagglutinin-Hemmtest.

Die Gesamteffektivität der Zellkultur-Vakzine lag bei knapp 79 Prozent (Lancet online). Auf die einzelnen im Impfstoff enthaltenen Grippeviren bezogen, lag die Effektivität bei 88 Prozent (klassisches H1N1-Virus), 93 Prozent (H3N2-Virus) und 97 Prozent (B-Typ-Virus).

Der Impfstoff sei zudem gut verträglich gewesen, schwere unerwünschte Ereignisse wurden nicht beobachtet. Nebenwirkungen waren meist mild und vorübergehend.

Damit könnte ein weiterer saisonaler Grippeimpfstoff auf den Markt kommen, der mit einer innovativen Technologie produziert wird. Die Anzucht der Impfviren auf Verozellen - in der Regel Nierenzellen aus der Grünen Meerkatze - in Fermentern hat mehrere Vorteile.

Erstens ist die Produktion unabhängig von Hühnereiern, kann also auch bei Hühnerei-Knappheit erfolgen. Zweitens können auch Patienten mit stark ausgeprägter Hühnereiweißallergie geimpft werden.

Drittens könne die Produktion schneller erfolgen als über die klassische Methode im Hühnerei, teilt das Unternehmen Baxter mit. Ob sich dies in der Praxis bewahrheitet, wird die Zukunft zeigen müssen.

Das Unternehmen Novartis Vaccines hat bereits eine EU-Zulassung für seine Zellkulturvakzine Optaflu®. Bisher sind aber keine großen Mengen der Vakzine auf dem Markt gewesen. Eine Alternative sind die Zellkultur-Impfstoffe allemal, in der Praxis werden sie die klassischen Vakzinen eher ergänzen, nicht ablösen.

Lesen Sie dazu auch:
Höhepunkt der Grippewelle ist erreicht, teilweise überschritten

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