Ärzte Zeitung, 24.08.2017

Grundlagenforschung

Neuartiger Impfstoff als Nasenspray

Forscher haben gezeigt, dass eine Impfung mit Nanopartikeln per Nasenspray im Mausmodell einen Schutz erzielen kann.

BRAUNSCHWEIG. Der Entwicklung von Impfstoffen, die per Nasenspray verabreicht werden, sind Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) einen Schritt nähergekommen (Nanomed 2017; 13(7): 2169-2178).

Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigten, dass eine Immunisierung über die Nasenschleimhaut mit Nanopartikeln aus Polyphosphazenen zusammen mit zyklischem di-AMP als Adjuvans möglich ist, teilt das HZI mit.

Probleme der mukosalen Impfung

Das Prinzip einer mukosalen Impfung klingt ja einfach, hat aber eine Schwachstelle: Schleimhäute verhindern nicht nur das Eindringen von Krankheitserregern, sondern bauen auch den Impfstoff ab. Mithilfe von Nanopartikeln versuchten die HZI-Forscher, dieses Problem zu umgehen: Bei ihren Versuchen testeten die Forscher um Dr. Kai Schulze Nanopartikel aus verschiedenen synthetischen Polyphosphazen-Molekülen.

Dazu "bespickten" sie die Nanopartikel mit einem immunogenen Protein eines Influenza-Virus und verabreichten den Mäusen diese Nanopartikel per Nasenspray, entweder in Kombination mit zyklischem di-AMP als Adjuvans oder ohne Adjuvans.

Dann infizierten sie die Mäuse mit dem entsprechenden Virus und untersuchten die Immunreaktion sowie den erzielten Impfschutz im Vergleich zu dem nicht geimpfter Mäuse.

"Die Kombination der Nanopartikel aus Polyphosphazenen mit zyklischem di-AMP als Adjuvans – ein Botenstoff, den Bakterien zur Signalweiterleitung und zur Kommunikation nutzen – hatte im Vergleich zu den nicht kombinierten Kandidaten eine deutlich stärkere Immunantwort zur Folge", wird Schulze in der Mitteilung zitiert.

Weitere Studien nötig

Studien müssten zeigen, ob sich die Ergebnisse in anderen Tiermodellen wiederholen lassen, bevor über den Einsatz bei Menschen nachgedacht werden kann.

"Wenn wir den Impfstoff per Nasenspray verabreichen, hat das den Vorteil, dass er neben der Bildung von Antikörpern gegen den Erreger auch die Schleimhäute immunisiert", betont Schulze. Bei einem späteren Kontakt mit dem Krankheitserreger wehrten die Schleimhäute diesen daher direkt ab. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »