Ärzte Zeitung, 23.01.2013

Arzneifälschungen

Reiseapotheke am besten zuhause füllen

Der Internethandelt macht es möglich: Gefälschte Medikamente sind zu einem globalen Problem geworden. Das kann auch Auswirkungen auf die Reiseapotheke haben.

Von Benjamin Rempe und Privatdozent Tomas Jelinek

crm10-L.jpg

Der Anteil der Medikamentenfälschungen, die in Deutschland über die legale Verteilerkette in den Handel gelangen, gilt weiterhin als sehr gering. Europaweit wird der Marktanteil auf unter ein Prozent geschätzt.

Für Reisende nach Afrika oder Südostasien besteht hingegen ein teilweise hohes Risiko, nicht die gewünschten Wirkstoffe zu erhalten.

Besonders umfassend ist die Situation bei Malariamedikamenten untersucht. Präparate der Stand-by-Medikation werden aufgrund der hohen Kosten häufig erst im konkreten Bedarfsfall vor Ort gekauft.

Eine Studie im Jahr 2012 ergab, dass in Südostasien und in afrikanischen Staaten südlich der Sahara rund 35 Prozent der insgesamt über 3700 Proben gefälscht waren (Lancet 2012; 6: 488).

Nach über 100 Todesfällen im Januar 2012, verstarben im letzten Monat erneut 33 Pakistaner an verunreinigten Medikamenten.

In diesem Fall handelte es sich nicht um Antihypertensiva, sondern um ein Antitussivum mit Dextromethorphan, welches in teilweise sehr hohen Dosen als Rauschmittel eingenommen wurde.

Nach WHO-Angaben enthalten gefälschte Medikamente meist keine aktiven Wirkstoffe (32 Prozent), nicht die angegebenen Wirkstoffe (21 Prozent), abweichende Wirkstoffkonzentrationen (20 Prozent) oder starke Verunreinigungen (9 Prozent).

Von Medikamenten, die nicht in einer Originalverpackung angeboten werden, sollten Reisende immer Abstand nehmen.

Doch auch Sicherheitsmerkmale und Prüfsiegel der Umverpackungen werden mittlerweile so gut gefälscht, dass eine optische Unterscheidung vom Originalprodukt kaum möglich ist.

Ärzte sollten Reisende in entsprechende Länder auf das Problem hinweisen. Viele planen nämlich, aus Kostengründen Arzneien erst bei Bedarf vor Ort zu kaufen.

Weitere Informationen zur Reisemedizin unter www.crm.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Hausarztverträge im Visier des BVA

Das Bundesversicherungsamt duldet Chronikerpauschalen in bisheriger Form nicht mehr. Bis Ende August müssen Kassen Verträge anpassen. Hausärzte-Chef Weigeldt ist vergrätzt. mehr »

Reiseimpfungen – Welcher Schutz ist nötig?

Egal, wohin die Reise geht, die Basisimpfungen sollten vorhanden sein. Doch auch 2018 gibt es für einige Länder spezielle Empfehlungen. mehr »

IQWiG hinterfragt Darmkrebs-Screening

Der aktuelle Rapid Report des IQWiG kommt ebenso wie der Abschlussbericht von 2013 zu dem Fazit: Der Nutzen des Screenings bei unter 55-Jährigen mit einem familiären Risiko für Darmkrebs ist unklar. mehr »