Ärzte Zeitung, 09.06.2016

Masern

Impfschutz auch für Reisende

Masernrisiken gibt es in vielen Ländern. Es lohnt sich, vor Reisen den Impfschutz zu überprüfen.

Von Dr. Sandra Vergin und Professor Tomas Jelinek

DÜSSELDORF. Während Berlin erneut mit einem Masern-Ausbruch kämpft, nehmen auch in anderen Ländern weltweit die Fallzahlen zu. In Singapur wurden von Januar bis Mitte Mai 50 Fälle gemeldet, während es im selben Zeitraum des Vorjahres nur 17 waren, berichtet die International Society für Infectious Diseases (ISID).

In Neuseeland gab es Anfang Mai einen Ausbruch an einem College (Region Waikato) mit 20 Fällen und Ausbreitung in andere Regionen. In London waren die Fallzahlen im April dieses Jahres mit 22 stark erhöht gegenüber nur 6 Erkrankungen im April 2015. Im Sudan wurden bis Mitte Mai 1073 bestätigte Erkrankungen und 10 Todesfälle gemeldet, so die ISID.

Masern sind eine tröpfchenübertragene, hochkontagiöse Krankheit und weltweit verbreitet. Besonders in Entwicklungsländern treten sie häufig auf und nehmen hier oft auch einen tödlichen Verlauf.

Erste Symptome sind Fieber, Konjunktivitis, Erkältungsbeschwerden sowie ein Enanthem im Mundbereich. Das charakteristische makulopapulöse Exanthem tritt erst wenige Tage später auf und klingt nach vier bis sieben Tagen von allein wieder ab.

Eine Maserninfektion kann von bakteriellen Superinfektionen wie einer Otitis media, einer Pneumonie oder einer Bronchitis begleitet sein. Auch das Auftreten einer akuten postinfektiösen Enzephalitis ist möglich, die in 10 bis 20 Prozent der Fälle tödlich endet.

Eine sehr seltene Spätkomplikation manifestiert sich meist erst nach mehreren Jahren: die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Die Folge sind Persönlichkeitsveränderung, neurologische Ausfälle und letztlich immer der Tod des Patienten.

Zur Prävention gibt es Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff (MMR) oder Kombivakzinen mit zusätzlicher Varizellen-Komponente (MMRV). Die Ständige Impfkomission (STIKO) empfiehlt für Kleinkinder eine zweimalige Immunisierung mit einem Masernimpfstoff, und zwar im Alter von 11 bis 14 und von 15 bis 23 Lebensmonaten.

Zudem wird allen Erwachsenen mit Geburtsjahr nach 1970 und nicht ausreichendem oder unklarem Impfstatus (ungeimpft oder nur eine Masern-Impfung in der Kindheit) die einmalige Impfung mit MMR-Impfstoff empfohlen. Eine vollständige Grundimmunisierung oder auch eine durchgemachte Maserninfektion verleihen eine lebenslange Immunität.

Mehr Infos beim Centrum für Reisemedizin unter www.crm.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »