Ärzte Zeitung online, 16.04.2019

WHO

Masernfälle weltweit 2019 vervierfacht

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt wegen Masern Alarm: Im ersten Quartal 2019 gab es weltweit viermal so viele Erkrankte wie im Vorjahreszeitraum.

Masernfälle weltweit 2019 vervierfacht

170 Länder meldeten nach WHO-Angaben in den ersten drei Monaten 2019 zusammen rund 112.000 Masern-Erkrankungen.

© Jim Goodson / M.P.H.

GENF. Nach zahlreichen Masern-Ausbrüchen weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für 2019 erste alarmierende Zahlen vorgelegt.

Die Zahl der von Januar bis März gemeldeten Fälle liege viermal so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, berichtete die WHO am Montag in Genf.

170 Länder meldeten demnach zusammen rund 112.000 Erkrankungen, verglichen mit 28.000 im vergangenen Jahr. Die tatsächliche Zahl liege noch deutlich höher, warnte die WHO. Sie geht davon aus, dass nur jeder zehnte Fall gemeldet wird.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der Fälle nach vorläufigen WHO-Zahlen verdoppelt. Eine WHO-Expertin schätzte die tatsächliche Gesamtzahl für 2018 auf mehr als zwei Millionen. Bis 2016 war die Zahlen weltweit noch rückläufig.

Nicht nur ein Problem in Entwicklungsländern

Steigende Masernfälle sind dabei bekanntlich längst nicht nur ein Problem von Entwicklungsländern: In den USA könnte sich der aktuelle Ausbruch zum schlimmsten Ausbruch seit dem Jahr 2000 entwickeln.

In ebendiesem Jahr hatte das Land die Masern für eliminiert erklärt, wie die „New York Times“ berichtet. Seit Jahresbeginn seien landesweit bisher 555 Fälle gemeldet worden, darunter 285 Fälle allein in New York City.

WHO: Masern potenziell lebensgefährlich

Masern seien eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt und potenziell lebensgefährlich, so die WHO. 2017 seien nach Schätzungen 110.000 Menschen daran gestorben. Betroffen seien meist kleine Kinder, derzeit unter anderem in Madagaskar, auf den Philippinen, im Kongo und in der Ukraine.

Die Ansteckung könne durch zweimaliges Impfen verhindert werden, aber nur 85 Prozent der Menschen weltweit erhielten die erste und 67 Prozent die zweite Impfung.

In Europa betrug WHO-Angaben zufolge im Jahr 2017 die Impfquote für die erste Masern-Impfung 95 Prozent und für die zweite 90 Prozent (siehe nachfolgende Tabelle).

In der Europa-Region der WHO haben sich 2018 so viele Menschen wie seit zehn Jahren nicht mehr mit Masern angesteckt. Besonders viele Infizierte gab es in der Ukraine (siehe nachfolgende Karte).

Auch 2019 gibt es sehr viele Fälle von Masern in Europa. Laut WHO-Bericht stieg die Zahl in der europäischen Region im ersten Quartal 2019 um 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit folgt Europa direkt auf die afrikanische Region.

Rückläufiger Trend in Deutschland

In Deutschland war der Trend im vergangenen Jahr rückläufig: Nach 929 Masern-Fällen 2017 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Jahr 2018 543 Fälle gemeldet (siehe nachfolgende Grafik).

In diesem Jahr könnte es wieder hohe Fallzahlen geben, die meisten Fälle wurden bisher aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bayern gemeldet.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in Kitas und Schulen ausgesprochen. Seither wird in Deutschland über eine Impfpflicht diskutiert.

RKI-Experte Privatdozent Dr. Ole Wichmann äußerte sich am Dienstag skeptisch, wie die dpa berichtet: „Ich persönlich bin nicht ganz so überzeugt, dass wir damit ganz so viel anstellen können.“ (dpa/ths/bae)

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 16.04.2019 um 15:30 Uhr.

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