Ärzte Zeitung, 14.08.2009

Selten, aber lebensgefährlich: der invasive Meningokokken-Infekt

Gerade der Meningokokken-Typ C, gegen den es eine Schutzimpfung gibt, kommt bei dramatischen Krankheits-Verläufen besonders häufig vor.

Von Werner Stingl

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Meningokokken-Infektionen sind zwar selten, aber gefürchtet. Impfungen beugen vor.

Foto: Novartis Behring

MÜNCHEN. Alle Kinder- und Jugendärzte sollten ihre 1- bis 18-jährigen Patienten gegen Meningokokken C impfen. Eine invasive Infektion mit diesem Erreger ist zwar selten, aber lebensgefährlich.

Wer einmal als Betroffener, Angehöriger oder Arzt eine schwere invasive Meningokokken-Infektion und den damit verbundenen Kampf auf Leben und Tod mit erlebt hat, wird kein Argument mehr gegen diese Impfung gelten lassen, sagte Professor Thomas Nicolai vom Dr. von Haunerschen Kinderspital aus München. In unseren Breiten gebe es praktisch keine andere Erkrankung, die gesunde Kinder und Jugendliche als Hauptrisikogruppe derart dramatisch heimsuchen kann wie eine Meningokokken-Sepsis. Oft kommen Betroffene noch scheinbar gesund aus der Schule, entwickeln am Abend die Symptome eines banalen Infektes und werden dann in der Nacht oder am Morgen zum intensivmedizinpflichtigen Notfall, so Nicolai bei einer Veranstaltung der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen in München.

Auch mit modernen medizinischen Mitteln seien 10 bis 20 Prozent der an einer Meningokokken-Sepsis erkrankten Kinder nicht zu retten. Und bei weiteren 20 Prozent muss das Überleben mit bleibenden Haut-, Gewebe und Organschäden sowie verstümmelnden Amputationen erkauft werden. Im Gefolge einer isolierten Meningokokken-Meningitis, der zweiten und etwas weniger lebensbedrohlichen Komplikation einer Meningokokkeninfektion, drohen wiederum vor allem bleibende geistige Behinderungen, so Nicolai.

Zugegebenermaßen sind invasive Meningokokken-Erkrankungen in Deutschland mit jährlich gemeldeten 400 bis 800 Ereignissen statistisch betrachtet selten und nur 20 bis 30 Prozent davon sind bei uns verursacht durch den Serotyp C. Aber gerade dieser Typ, gegen den es eine Impfung gibt, ist bei dramatischen Verläufen überrepräsentiert, betonte Nicolai. Das seien gute Gründe, die Impfung auch anzubieten.

Frühe Hinweise auf Meningokokken-Infekt

Die Prognose bei einer invasiven Meningokokken-Infektion ist umso besser, je früher behandelt wird. Dabei kann es um Stunden gehen. Problematisch ist, dass die Infektion meist wie ein banaler Infekt mit Fieber, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen beginnt. Oft ist es dann nur ein Gefühl, das eine weiterführende Diagnostik oder stationäre Beobachtung veranlasst. Unbedingt ernst nehmen sollte man Aussagen von Eltern, das Kind verhalte sich anders als bei bisherigen Infekten oder wenn eine Gabe von Antipyretika nicht die übliche Beschwerdelinderung und Verhaltensnormalisierung bewirkt, rät Professor Thomas Nicolai. "Alarmstufe Rot" signalisieren bei Fieber und Abgeschlagenheit auftretende punktförmige Hautrötungen, die unter Glasspatel- oder Wasserglasdruck nicht abblassen und als Petechien, die eine beginnende Sepsis anzeigen, infrage kommen. (wst)

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