Ärzte Zeitung online, 08.05.2018

Resistenzen

Superbakterien breiten sich in den Golfstaaten aus

Nationale Aktionspläne: Kontrollierte Antibiotikaverwendung und Datenüberwachung sollen weitere Verbreitung stoppen.

BERLIN. Forscher der University of Queensland haben neue Klone von multiresistenten Bakterien in den Golfstaaten gefunden (J Med Microbiol. 2018, online 17. April).

Dr. Hosam Zowawi vom UQ Centre for Clinical Research und Leiter der Forschungsgruppe bestätigt, dass sein Team ein schnelles Wachstum bei den neuen multiresistenten Klonen beobachtet hat. Es handelt sich bei den Bakterien um eine bislang nicht bekannte Variante der in den Golfstaaten bereits existierenden Superbakterien.

"Die neuen Hochrisiko-Klone, die auch als Super-Superbakterien bekannt sind, können sogar Reserveantibiotika zerstören", so Zowawi in einer Mitteilung des Instituts Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund.

"Diese Erkenntnisse legen nahe, dass es in der Region einzigartige Klone der Superbakterien gibt, die sich in den Golfstaaten verteilen und beginnen, diese zu dominieren."

Für mehr als 50.000 Krankenhausinfektionen verantwortlich

Das Center for Diseases Control and Prevention in den Vereinigten Staaten schätzt, dass P. aeruginosa für mehr als 50.000 Krankenhausinfektionen im Jahr verantwortlich ist.

Die ansteigende Häufigkeit dieser Hochrisiko-Bakterienklone ist beunruhigend, weil sie nur sehr schwer behandelbar sind und möglicherweise zum Tod bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem oder Intensivpatienten führen können, erläuterte der Forscher.

Im Rahmen der Studie konnte zudem belegt werden, dass die identischen Hochrisiko P. aeruginosa Klone schon in verschiedenen Städten der Golfstaaten auftreten.

"Wir wussten, dass einige Klone in einzelnen Krankenhäusern gedeihen konnten und von Mensch zu Mensch übertragen wurden, aber nun konnten wir zum ersten Mal belegen, dass ein Klon sich auf der gesamten Arabischen Halbinsel verteilt hat."

Laut Zowawi wurden erste Maßnahmen angekündigt und umgesetzt: "Als Reaktion auf diese Bedrohung haben alle Länder der Golfstaaten bereits nationale Aktionspläne entwickelt, um antimikrobielle Resistenzen einzudämmen. Überwachung, Strategien zum Einsatz von Antibiotika, Protokolle zur Infektionskontrolle und Schulungen sind nur einige der angewandten Methoden zur Bekämpfung der Superbakterien."

Neu über Einnahme von Antibiotika nachdenken

Professor David Paterson, Leiter des Centers, hofft, dass die Studie die internationale Aufmerksamkeit auf die weite Verbreitung der Superbakterien lenkt und somit verbesserte Handlungsempfehlungen zur Infektionskontrolle zur Anwendung kommen.

Auch über die Einnahme von Antibiotika muss neu nachgedacht werden: "Bessere Diagnosemethoden zusammen mit einer topaktuellen und regionalen Datenüberwachung wird die zielgerichtetere Verwendung von Antibiotika verbessern und könnte viele Leben retten, indem Mikrobiologen dabei unterstützt werden, die weltweiten Krankheitsausbrüche besser zu dokumentieren."

Die Forschungsarbeit wurde durch Spenden finanziert, die im Rahmen des philanthropischen Carder Polo Cups unter der Schirmherrschaft der Royal Brisbane and Women's Hospital Foundation, Superbug Slayers Polo Initiative, SuperbugsFree movement, Queensland Polo Association und Alsace Polo gesammelt wurden. (eb)

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