Börsianer sehen Schweinegrippe eher gelassen

Die möglichen Auswirkungen einer Grippe-Pandemie auf einzelne Unternehmen bedrückten die Anleger an der Börse nur kurz. Dann stieg der Dax wieder.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:
Friedliche Koexistenz: Bulle und Schwein an der Börse.

Friedliche Koexistenz: Bulle und Schwein an der Börse.

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Kaum hatten sich die Aktienmärkte ein paar Wochen lang von ihrem Jahrestief Mitte März erholt, drohte Anfang der Woche neues Ungemach: die Schweinegrippe. "Da werden schnell Erinnerungen an die SARS-Seuche vor sechs Jahren geweckt", so ein Frankfurter Händler. Damals drückte die sich schnell ausbreitende Lungenkrankheit weltweit die Stimmung und damit auch die Kurse an den Aktienmärkten.

Die direkten Verlierer und Gewinner einer möglichen Pandemie lassen sich schnell identifizieren: Luftfahrtunternehmen und Touristikkonzerne sind zum Beispiel stark gefährdet. Hersteller von Impfstoffen, Grippemitteln oder auch von Gummihandschuhen und Mundschutzartikeln lassen sich dagegen als mögliche Profiteure der drohenden Grippe-Pandemie ausmachen. Doch es gibt auch Folgen, die erst auf den zweiten Blick erkennbar sind.

Aktien aus Südamerika mit erhöhtem Risiko

So dürfte die mexikanische Wirtschaft durch die Grippe stark belastet werden - vor allem, weil beispielsweise in Mexiko City das öffentliche Leben und damit auch ein Teil der regionalen Wirtschaft teilweise zum Erliegen gekommen ist.

"Außerdem haben mehrere Länder trotz der Entwarnung der Weltgesundheitsorganisation zum Verzehr von gekochtem Schweinefleisch die Einfuhr von Schweinen und Fleisch aus den von der Seuche betroffenen Gebieten gestoppt", berichten Rohstoffanalysten der Commerzbank. Auch andere Länder Südamerikas, die enge Handelsbeziehungen zu Mexiko pflegen, könnten wirtschaftliche Einbußen erleiden, so dass Schwellenländeraktien aus Südamerika derzeit als Investment mit erhöhtem Risiko eingestuft werden.

Luftfahrt- und Touristikkonzerne wären die Verlierer.

Wie stark die Beeinträchtigungen der Weltwirtschaft durch die Schweinegrippe sein könnten, wenn sie sich weiter ausbreitet, ist derzeit noch unklar. Die Zahlen, mit denen zum Beispiel Weltbank und deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute arbeiten, sind breit gestreut. So hat die Weltbank die Folgen einer weltweiten Pandemie auf bis zu drei Billionen US-Dollar geschätzt. Das RWI-Wirtschaftsforschungsinstitut hat zu Zeiten der Vogelgrippe vor drei Jahren hochgerechnet, dass es zu einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes in den betroffenen Ländern um ein bis drei Prozent kommen könnte. In einem solchen Modell müssten nicht nur die medizinischen Kosten für Behandlung und Vorbeugung - zum Beispiel durch eine Impfung der gesamten Bevölkerung - einkalkuliert werden, sondern auch der dauerhafte Verlust von Arbeitskräften durch die hohe Zahl an Todesfällen. Unterdessen mehren sich die Stimmen, die weitaus geringere Folgen für Menschen, Weltwirtschaft und Aktienmärkte prognostizieren.

Auf dem Börsenparkett relativiert sich die Angst

Etliche Analysten zeigen sich für die weitere Entwicklung der Märkte mittlerweile optimistisch. Dass sich in der vergangenen Woche der Dax bereits am Mittwoch deutlich von den Einbußen des Vortags erholen konnte, sehen Optimisten schon als eine Relativierung der Grippeangst.

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