Apotheker plus, 07.08.2009

Gute Infos mindern Grippesorgen

Die Verbreitung der Neuen Grippe bringt auch viele verunsicherte Kunden in die Apotheke. Wer gut vorbereitet auf ihre Fragen ist, erfüllt eine wichtige Lotsenfunktion.

Von Ruth Ney

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Die Furcht, sich mit Grippe anzustecken, wächst.

Foto: EastWest imaging©www.fotolia.de

In Deutschland gibt es über 8000 gemeldete/bestätigte Schweinegrippe-Infektionen. Lesen Sie hier, was Sie besorgten Kunden auf häufige Fragen antworten können:

Wie kann ich mich schützen?

Die wichtigsten Hygienemaßnahmen sind: regelmäßiges Händewaschen, Verwendung von Einmaltaschentüchern, Vermeiden großer Menschenansammlungen, intensive Raumbelüftung, Vermeiden von Anhusten/Anniesen.

Was soll ich bei Grippeverdacht tun?

Bei typischen Grippesymptomen mit plötzlichem hohem Fieber sollte ein Arzt informiert werden - am besten zunächst telefonisch. Denn wer direkt zum Arzt geht, riskiert, in der Praxis weitere Patienten anzustecken.

Kann ich mich auf Grippe testen lassen und wer bezahlt den Test?

Ärzte bieten einen Schnelltest auf Influenza-A-Viren an. Kassen erstatten die Kosten oft rückwirkend. PCR-Tests geben mehr Aufschluss über die vorliegenden Grippeviren. Noch verhandeln aber KBV und Kassen über die Kostenübernahme. Das RKI hat eine Stellungnahme gegeben, welcher PCR-Test am effektivsten ist.

Soll ich mir vorsorglich Tamiflu® vom Arzt verschreiben lassen?

Eine vorsorgliche Verschreibung ist nicht nötig, da die Bundesländer Wirkstoffreserven eingelagert haben. Generell wirken die Substanzen nicht präventiv. Wer Grippemittel einnimmt ohne Diagnose, riskiert die Entwicklung von Resistenzen. Beim Bezug über das Internet ohne Rezept besteht zudem die Gefahr, gefälschte Präparate zu erhalten.

Wirken antivirale Grippemittel auch bei der Neuen Grippe?

In den bisherigen Fällen wirkten die antiviralen Medikamente Tamiflu® und Relenza® gut. Die weltweit gelegentlich beobachteten Resistenzen gegen Tamiflu® sind bisher Einzelfälle.

Wann gibt es eine Impfung gegen die Neue Grippe?

Es gibt vier Musterimpfstoffe auf der der Basis des Vogelgrippevirus, bei denen nur noch eine Stammanpassung auf das pandemische H1N1-Virus stattfinden muss. Da sie bereits zugelassen sind, könnten sie schon Ende September verfügbar sein. Neue Pandemie-Impfstoffe durchlaufen zwar eine beschleunigte Zulassung, werden wohl aber erst im November auf den Markt kommen.

Ist die Impfung sicher?

Die Sicherheit entspricht der bisheriger Grippe-Vakzinen. Dazu wurden die Musterimpfstoffe in Studien mit 8000 Teilnehmern getestet. Ihre Wirksamkeit war hoch. Zu den Inhaltsstoffen liegt eine gute Datenbasis vor. Auch die neuen Impfstoffe werden vor der Freigabe getestet.

Nützt mir auch eine normale Grippeimpfung?

Bisherige Influenza-Impfungen schützen einer US-Studie zufolge nicht vor dem neuen H1N1-Virus.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Die Pandemie-Impfung wird von Gesundheitsämtern und von niedergelassenen Ärzten angeboten werden.

Wenn ich in Quarantäne muss, wer kommt für den Arbeitsausfall auf?

Das deutsche Infektionsschutzgesetz sieht vor, dass bei Seuchen unter Quarantäne gestellte Menschen, die selbst nicht erkrankt sind und kein Krankengeld erhalten, Entschädigungen für Lohnausfälle erhalten.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

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