Ärzte Zeitung, 15.12.2006

TB-Erreger werden zunehmend multiresistent

WHO-Bericht zur weltweiten Resistenz-Situation veröffentlicht / Betroffen sind vor allem Rußland, China und Afrika

GENF (mut). Resistente und multiresistente Tuberkulose-Stämme breiten sich in vielen Regionen der Welt offenbar stärker aus als bisher vermutet. Darauf deuten neue Daten eines weltweiten TB-Kontroll-Programms.

Demnach wurden zwischen den Jahren 1999 und 2002 bei 10,2 Prozent aller neu aufgetretenen TB-Erkrankungen Erreger festgestellt, die gegen mindestens eines der sechs First-Line-Antibiotika resistent waren. Bei einem Prozent der erstmals Erkrankten waren die Erreger multiresistent - sie waren gegen die beiden wichtigsten TB-Medikamente Isoniazid und Rifampicin unempfindlich.

Das geht aus Daten eines weltweiten Projekts zur Überwachung von TB-Resistenzen hervor, das 1994 unter Leitung der Weltgesundheitsorganisation WHO gestartet worden ist. Daten von 57 500 Patienten, die zwischen den Jahren 1999 und 2002 gesammelt worden sind, werden heute in der Zeitschrift "The Lancet" (368, 2006, 2142) publiziert.

    Bis zu 14 Prozent der TB-Erreger sind multiresistent.
   

Besondere Sorgen bereitet der WHO die Resistenz-Entwicklung in denjenigen Ländern, die am stärksten von TB betroffen sind. Das sind die ehemaligen Sowjetstaaten, Indien und China: Hier treten über 60 Prozent der weltweiten TB-Erkrankungen auf. In Teilen von Rußland, Kasachstan und Usbekistan sind die Erreger bei bereits 14 Prozent der neu Erkrankten multiresistent. Mitte der 90er Jahre war dieser Anteil etwa halb so hoch. Erstmals liegen auch Daten zu China vor. Demnach sind hier in einigen Provinzen bereits über zehn Prozent der TB-Erreger multiresistent.

Noch weitgehend unklar ist die Situation in Afrika. Dort gibt es zuverlässige Daten über einen längeren Zeitraum hinweg nur aus Botswana: Hier ist der Anteil der multiresistenten Erreger von 3,7 Prozent 1996 auf 10,4 Prozent im Jahr 2002 gestiegen. Die WHO vermutet, daß die Rate in anderen Ländern im Süden Afrikas ähnlich hoch ist.

Dabei ebnet vor allem die HIV-Epidemie der TB den Weg: Ein Drittel aller Aids-Kranken hat auch TB. Tuberkulose ist im Süden Afrikas inzwischen die häufigste Todesursache bei HIV-Infizierten. In Südafrika wurden vor kurzem auch Ausbrüche mit besonders aggressiven und extrem multiresistenten TB-Stämmen beobachtet (wir berichteten).

Fortschritte gibt es dagegen in anderen Ländern: In Hongkong, den USA, aber etwa auch Kuba ist nicht nur die Zahl der TB-Neuerkrankungen, sondern auch die Rate der multiresistenten Erreger deutlich zurückgegangen. In Deutschland fällt zwar jährlich die Zahl der TB-Neuerkrankungen - 2005 lag sie bei etwa 6000 - zugleich steigt aber die Rate multiresistenter Erreger leicht an. 2005 lag sie bei 2,7 Prozent, im Jahr davor bei 2,5 Prozent.

Den WHO-Bericht zu TB-Situation gibt es unter www.thelancet.com

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Genaue Zahlen zu TB kennt keiner

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