Ärzte Zeitung, 27.01.2005

Mehr Forschung zu Vogelgrippe angemahnt

Thailändische Ärzte berichten von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen / WHO-Experte fordert Pandemie-Vorsorge

NEU-ISENBURG (eis). Die Warnungen vor einer weltweiten Influenza-Pandemie reißen nicht ab. So melden thailändische Ärzte Todesfälle durch das Vogelgrippevirus H5N1, wobei das Virus offenbar direkt von Mensch zu Mensch übertragen worden ist. Und der WHO-Experte Dr. Klaus Stöhr mahnt, sich auf eine Pandemie vorzubereiten.

Ein H5N1-Virus, das sich über Mensch-zu-Mensch-Infektionen effektiv ausbreiten würde, könnte zu einer Pandemie führen. Bisher ist H5N1 zwar sehr pathogen, jedoch nicht hochinfektiös, denn die allermeisten Patienten haben sich bei infiziertem Geflügel angesteckt.

   Die Infektgefahr bei Menschen ist bisher gering.
   

In dem Bericht von Dr. Kumnuan Ungchusak vom Gesundheitsministerium aus Thailand und seinen Kollegen scheint dieser Infektionsweg bei zwei Frauen jedoch ausgeschlossen zu sein (NEJM 352, 2005, 333). Ein elfjähriges Mädchen war erkrankt, ihre Mutter und eine Tante haben sich offenbar bei der Pflege angesteckt. Nur die Tante überlebte.

Beide Erwachsene hätten in den Wochen vor Erkrankung keinen Kontakt zu Vögeln gehabt, so die Forscher. Nach ihren Angaben war die Mutter aus einer entfernten Stadt für die Pflege ihrer Tochter angereist. Weder an ihrer Arbeit noch in der Wohnung der Frau habe es Geflügel gegeben. Da bei beiden Frauen H5N1 nachgewiesen wurde, gehen die Ärzte von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen aus. Die Infektionsgefahr auf diesem Weg ist aber offenbar noch sehr gering, weil keine weiteren Menschen infiziert wurden .

In einem Kommentar zu dem Bericht schreibt Dr. Klaus Stöhr, daß Vogelgrippe künftig bei weiteren Menschen im ländlichen Asien zu erwarten sei (NEJM 352, 2005, 405). Das Virus sei dort inzwischen bei Vögeln weit verbreitet, und die meisten Familien hätten freilaufendes Geflügel, das für die Ernährung gebraucht werde.

Der WHO-Experte warnt vor der Gefahr durch das Virus. Die meisten der registrierten Opfer (44, davon 32 gestorben) waren Kinder und junge Erwachsene. "Frühere Grippe-Pandemien haben die Menschheit plötzlich wie eine Flutwelle getroffen", so Stöhr. Für die Warnzeichen aus Asien gebe es bisher kein Vorbild. Man könne sich aber nun auf ein solches Ereignis vorzubereiten. Stöhr fordert dringend verstärkte Forschungen zu:

  • Therapien der Patienten inklusive der Infektionskontrolle in der Klinik,
  • einem Pandemie-Impfstoff,
  • möglichen Interventionen, um die Ausbreitung eines Pandemievirus abzubremsen und
  • der Rolle von Wildvögeln und anderen Tieren bei der möglichen Ausbreitung von Vogelgrippe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Zwei Gläser Wein? Das lass lieber sein!

Wer täglich mehr als zwei Gläser Wein leert, hat ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Ob ein Komplettverzicht ratsam ist, bereitet Forschern noch Kopfzerbrechen. mehr »

Warum der Brexit körperlich krank macht

Übelkeit und Kurzatmig: Blogger Arndt Striegler hat mit seiner Hausärztin über seinen Gesundheitszustand und den Austritt aus der EU geredet – und einen Zusammenhang am eigenen Leib festgestellt. mehr »

Nach der Wahl muss Vernetzung auf die Agenda!

Gesundheitsminister Gröhe gibt einen Ausblick auf die nächste Legislaturperiode: Die stärkere Vernetzung der Akteure müsse dann höchste Priorität haben. Der Innovationsfonds soll zur Dauereinrichtung werden. mehr »