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Vogelgrippe-Virus offenbar weniger gefährlich als befürchtet

HAMBURG (mut/ddp). Virologen halten die Gefahr für sehr gering, daß sich bald auch in Deutschland Menschen mit dem Vogelgrippe-Virus infizieren. Durch regelmäßige Kontrollen und Schutzmaßnahmen sollen Infektionsherde schnell erkannt und eingedämmt werden. Selbst bei einer Infektion scheint die Gefahr einer schweren Erkrankung gering zu sein.

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Mit Blick auf den Vogelgrippeausbruch in der Türkei warnt das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg vor Hysterie. Auch wenn die Tierseuche jetzt geographisch näher gerückt sei, habe sich damit für Deutschland nichts geändert, sagte Institutsdirektor Bernhard Fleischer. Es gebe in Deutschland keine Verdachtsfälle bei Tieren und keine erkrankten Menschen.

"Und ich gehe auch nicht davon aus, daß sich das heute oder morgen ändert", sagte der Virologe. Es lasse sich aber nicht ausschließen, daß es unter den heimkehrenden Zugvögeln mal einen infizierten Vogel geben könne. "Ich denke, daß derzeit in Deutschland das Risiko für ein Einschleppen der Vogelgrippe aber nicht sehr groß ist, solange man wachsam bleibt", sagte Fleischer.

Man müßte nicht jeder Taube auf dem Markt oder den Spatzen auf dem Tisch im Straßencafé mit Mißtrauen begegnen. Die Vogelpopulation in Deutschland werde ständig überwacht. In der EU sind bis Ende 2005 über 25 000 Wildvögel auf Vogelgrippe-Viren überprüft worden, bei keinem einzigen Vogel wurde das Vogelgrippe-Virus H5N1 bisher gefunden.

Inzwischen gibt es einen Verdacht, daß das Vogelgrippe-Virus H5N1 Menschen häufiger infiziert als bisher angenommen, dabei aber nur selten zu einer schweren Erkrankung führt. So hatten schwedische Ärzte im Frühjahr 2004 in Vietnam über 45 000 Menschen befragt, ob sie in den vergangenen Monaten typische Grippesymptome hatten.

Die Menschen lebten alle in einer Region, die zu der Zeit von einem Vogelgrippe-Ausbruch schwer betroffen war. Insgesamt gaben über 8100 Menschen (18 Prozent) an, solche Symptome gehabt zu haben. Dabei war die Rate für Grippe-Symptome bei Menschen, die direkten Hautkontakt zu totem oder erkranktem Geflügel hatten, um etwa 70 Prozent erhöht.

Bei Personen, in deren Haushalt zwar Geflügel erkrankte, die aber zu den Tieren keinen direkten Kontakt hatten, war die Rate für Grippesymptome dagegen nicht erhöht (Arch Intern Med 166, 2006, 119).

Nach den Berechnungen der Ärzte ließen sich bei 650 bis 700 Personen die Grippe-Symptome auf einen direkten Kontakt mit erkrankten Tieren zurückführen, offiziell war in der betroffen Region jedoch nur ein Mensch schwer an Vogelgrippe erkrankt.

Zwar können die Ärzte andere Erreger als das Vogelgrippe-Virus als Ursache der Symptome nicht ausschließen, da jedoch zu der Zeit keine anderen Geflügelerkrankungen in der Region bekannt waren, vermuten sie, daß die Personen an einer milden Form der Vogelgrippe erkrankten. Demnach kämen auf eine schwer verlaufende Erkrankung möglicherweise einige hundert mild verlaufende Infektionen.



STICHWORT

Maßnahmen gegen die Vogelgrippe

In Deutschland gelten besondere Maßnahmen, um eine Einschleppung des Vogelgrippe-Virus H5N1 zu verhindern.

Importverbot: In der EU gilt ein Einfuhrverbot für Geflügel und Geflügelprodukte sowie andere Vögel, Federn und unbehandelte Jagdtrophäen aus der Türkei und anderen betroffenen Ländern. Darunter sind China, Rußland und Thailand. Das Importverbot für Geflügelprodukte aus östlichen Nachbarländern der Türkei wurde auch auf Federn ausgedehnt. Die Importbeschränkungen für Geflügelprodukte aus West-Rumänien wurden inzwischen gelockert.

Reisehinweise: Das Bundesagrarministerium appelliert an Reisende in betroffenen Regionen, direkte Tierkontakte zu vermeiden und keine Geflügelmärkte zu besuchen. Geflügelfleisch und Geflügelprodukte sollten nur gekocht oder gebraten gegessen werden.

Kontrollen: Im Spätsommer 2005 vereinbarten Bund, Länder und Zoll, die Kontrollen zu intensivieren. Seit kurzem wird nicht nur an Flughäfen, Häfen und an Grenzen kontrolliert, sondern auch in Reisebussen.

Meldepflicht: Seit 2003 sind Geflügelhalter verpflichtet, Erkrankungen in ihren Beständen zu melden. (dpa)

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