Ärzte Zeitung, 15.04.2013

Neue Vogelgrippe

Erste Tote, aber keine Epidemie

In China sind bereits über 30 Menschen am neuen Vogelgrippevirus H7N9 erkrankt. Bisher deutet aber alles auf Einzelfälle - eine Infektion von Mensch zu Mensch ließ sich nicht beobachten.

Von Thomas Müller

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WHO-Vertreter Michael O'Leary bei einer Pressekonferenz zur neuen Vogelgrippe.

© Scheuer / dpa

PEKING. Der Täter ist identifiziert, wo er sich aufhält, weiß aber niemand - und das ist derzeit ein großes Problem. Um zu verhindern, dass sich weitere Menschen über infizierte Vögel mit dem neuen H7N9-Virus anstecken, müsste man erst einmal wissen, wie weit das Virus derzeit verbreitet ist und welche Vögel es übertragen.

Doch die infizierten Vögel geben ihr Geheimnis nicht preis, indem sie wie bei H5N1 tot umfallen - sie bleiben im Gegensatz zu infizierten Menschen unauffällig.

Immerhin haben nun Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang angekündigt, das Problem zur Chefsache zu machen, und die Eindämmung des Erregers gefordert, auch wenn noch unklar ist, wie das gelingen kann.

Die WHO rät in einem ersten Schritt zu Massentests in der Wildvogel- und Geflügelpopulation. Einige Provinzen Chinas wollen H7N9 zudem mit einer groß angelegten Impfaktion unter Vögeln bekämpfen.

Da es noch keinen spezifischen Impfstoff gegen das Virus gibt, hoffen sie, dass Vakzinen gegen andere Vogelgrippestämme einen gewissen Schutz bieten, was allerdings sehr ungewiss ist. So sollen etwa 90.000 Tauben in der ostchinesischen Stadt Hangzhou geimpft werden, nachdem das Virus vereinzelt bei Tauben nachgewiesen worden ist.

Reiseanamnese bei Pneumonien

Die Behörden in China sind nun auch dabei, den Verlauf der bisherigen Humaninfektionen besser zu rekonstruieren und ältere Fälle von schweren Pneumonien zu untersuchen.

So sind die ersten Menschen offenbar schon Mitte Februar erkrankt - diese Untersuchungen sind auch ein Grund dafür, dass die Zahl der bekannt gewordenen Infektionen fast täglich steigt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang aber nicht beobachtet - eine Epidemie ist derzeit wohl nicht zu befürchten.

Dennoch ist die Entwicklung eines präpandemischen Impfstoffs angelaufen. Sowohl China als auch die US-Behörde CDC wollen in den nächsten Wochen Saatviren für eine Humanvakzine herstellen.

Ein Grund für die Eile könnten auch Beobachtungen sein, wonach H7N9 deutlich leichter Humanzellen infiziert als H5N1. Dies ließ Dr. Nancy Cox, Direktorin der Influenza-Sektion der CDC, durchsickern.

Deutschen Ärzten rät das Robert Koch-Institut zur Wachsamkeit. Es rät bei allen schweren Fällen von Pneumonie zu einer Reiseanamnese, und zwar nicht nur bei Betroffenen, sondern auch bei engen Kontaktpersonen. Zudem sollten Ärzte dann auch den Erreger abklären.

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Neue Vogelgrippe H7N9: Die Welt blickt besorgt nach China
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