HINTERGRUND

Was tun bei Borrelioseverdacht? - Gesellschaft gibt Tipps für die Diagnostik nach Zeckenstich

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Ein Erythema migrans ist ein deutliches Zeichen einer Borrelien-Infektion. Betroffene sollten umgehend mit Antibiotika behandelt werden.

Ein Erythema migrans ist ein deutliches Zeichen einer Borrelien-Infektion. Betroffene sollten umgehend mit Antibiotika behandelt werden.

© Foto: klaro

Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken, liegt zwischen 1 zu 70 und 1 zu 300. Die Diagnostik ist jedoch oft problematisch. Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft hat jetzt Empfehlungen zur situationsgerechten Labordiagnostik veröffentlicht.

Ziel der Labordiagnostik ist es, möglichst früh eine Infektion mit Borrelien zu erkennen, um Betroffene behandeln zu können. Die AG Labordiagnostik um Professor Rüdiger von Baehr vom Institut für Medizinische Diagnostik (IMD) in Berlin unterscheidet drei klinische Situationen, von denen sie das weitere Procedere abhängig macht (Borreliose Wissen 17, 2007, 3):

  • Situation 1: Eine Person kommt mit festgesaugter Zecke in die Praxis, oder die Zecke wurde unmittelbar entfernt. Eine serologische Untersuchung ist dann nur dann sinnvoll, wenn eine frühere Borrelieninfektion ausgeschlossen werden soll. Etwa, wenn ein Waldarbeiter von einer Zecke gestochen wurde oder wenn die Person früher bereits an Borreliose erkrankt war. Sonst, so die Arbeitsgruppe, sollte man Betroffenen raten, die Stichstelle vier bis sechs Wochen zu beobachten und sich bei einer Rötung oder auch bei Fieber ohne ein Erythema migrans sofort wieder vorzustellen. Treten andere Symptome neu auf wie Kopf- oder Gelenk-/Muskelschmerzen, gilt eine Nachbeobachtungszeit von mindestens sechs Monaten (Diagnostik-Empfehlungen siehe Situation 2).
  • Situation 2: Ein Patient hat Symptome, die auf einen Borrelieninfekt hindeuten. Eindeutig ist die Situation bei Erythema migrans: sofort antibiotisch behandeln. Diagnostisch wertvoll, vor allem bei jungen Patienten, sind zudem folgende Anzeichen:
  • Situation 3: Es besteht der Verdacht auf eine Borreliose-Spätmanifestation. Auch dann ist immer die Labordiagnostik gerechtfertigt. Indizien für die Spätmanifestation sind Zeckenstiche, die der Patient schildert, eine hohe Expositionswahrscheinlichkeit, etwa in Risikoberufen, Erytheme und andere Symptome in der Anamnese oder auch aktuell. Geachtet werden sollte vor allem auf Haut- und Gelenkveränderungen sowie neurologische Auffälligkeiten.

Leider sind pathognomonische Befunde bei der Spätmanifestation der Borreliose nicht so häufig. Dazu gehören in erster Linie die Acrodermatitis chronica atrophicans, Mono- oder Oligoarthritiden sowie chronische Enthesitiden. In allen Stadien der Borreliose können unspezifische Zeichen wie grippeartige Symptome, subfebrile Temperaturen, ständige Müdigkeit oder eine depressive Stimmungslage und diffuse Schmerz- zustände vorkommen.

Es gibt mehrere Labormethoden zum Borreliennachweis. Dazu gehört die direkte Erreger-Identifikation über den Nachweis von Borrelien-DNA (Borrelien-PCR) oder die Borrelien-Kultur. Die Kultur ist jedoch für die tägliche Praxis zu wenig sensitiv, zumal sich die Bakterien sehr langsam teilen.

Bei den immunologischen Nachweisverfahren lehnt die Borreliose-Gesellschaft das vom Robert-Koch-Institut empfohlene stufenweise Vorgehen mit einem Suchtest und einem Immunoblot als Bestätigungstest ab. Bis zu 15 Prozent der Patienten würden serologisch falsch negativ eingestuft. Zwar sei der Immunoblot das spezifischere und sensitivere Nachweisverfahren für Antikörper gegen Borrelien.

Das Problem: Da die Antikörper über Jahre persistieren können, ist ein positiver serologischer Befund kein Beweis für eine aktive Borreliose. Und ein negativer Befund schließt eine Borreliose nicht hundertprozentig aus, besonders im Frühstadium.

Bei vieldeutiger Klinik sowie zur Verlaufs- oder Therapiekontrolle wird der Lymphozytentransformationstest (LTT-Borrelien) empfohlen. Dieser wird bereits im Frühstadium positiv und in der Regel vier bis sechs Wochen nach Abschluss einer erfolgreichen antibiotischen Behandlung negativ oder ist deutlich rückläufig.

Bei Spätmanifestationen oder persistierenden Borreliosen sollte nach Ansicht der Arbeitsgruppe vermehrt versucht werden, den direkten Erregernachweis zu führen. Zudem plädieren die Experten für die Aufnahme des Borrelien-PCR in das EBM-Leistungsverzeichnis und fordern die Erstattung der LTT-Borrelien als indirekten Nachweis einer aktiven Borreliose durch die gesetzlichen Kassen.

Mehr Infos im Internet unter: www.borreliose-gesellschaft.de

Labordiagnostik bei Borreliose

Den aktuellen Stand der Diagnostik bei Borreliose hat die Deutsche Borreliose-Gesellschaft jetzt im Februar-Heft der Zeitschrift "Borreliose Wissen" (Nr. 17) zusammengefasst. Das Heft kostet 7,50 Euro plus 2 Euro Versandkosten.

Bezug per E-Mail unter info@borreliose-bund.de oder per Fax 0 61 62 / 16 66

Mehr zum Thema

Steigende Zahlen

Zwei neue FSME-Risikogebiete in Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Lesetipps
Eine Frau streckt ihre Zunge heraus, man sieht ihre Zähne oben.

© vladimirfloyd / stock.adobe.com

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen