Ärzte Zeitung online, 10.04.2017
 

Zecken

Topisches Azithromycin schützt nicht vor Borreliose

Werden bei einem Zeckenstich Borrelien übertragen, kann mit topisch verabreichtem Azithromycin ein Erythema migrans oder eine Serokonversion nicht verhindert werden.

Von Peter Leiner

WIEN. In Versuchen mit infizierten Mäusen hatten Wissenschaftler beobachtet, dass auf die Haut aufgetragenes Azithromycin Überleben und Vermehrung der Borrelien unterbinden kann, wenn das Antibiotikum innerhalb von 72 Stunden nach der Inokulation appliziert wird.

In einer Placebo-kontrollierten Studie wurde deshalb geprüft, ob sich bei Erwachsenen nach einem Zeckenstich durch lokale Applikation von 10% Azithromycin die Zahl der Patienten mit einer Lyme-Borreliose verringern lässt (Lancet Infect Dis 2017; 17: 322-329). An der Studie nahmen fast 1400 Erwachsene teil, die von einer Zecke befallen worden waren und die sich innerhalb von 72 Stunden an eines der 28 teilnehmenden Zentren gewandt hatten. Sie waren zu Studienbeginn seronegativ und waren innerhalb des Studienzeitraumes kein weiteres Mal von einer Zecke gestochen worden.

Nach acht Wochen waren für die Intention-to-treat-Analyse (ITT-Analyse) bei 505 Teilnehmern der Verum- und 490 Teilnehmern der Placebogruppe serologische Untersuchungen vorgenommen worden. Der primäre Endpunkt der Studie war Therapieversagen acht Wochen nach Studienbeginn, definiert als Erythema migrans an der Stichstelle, mit oder ohne Serokonversion (IgM und / oder IgG) bei ursprünglich seronegativen Teilnehmern der ITT-Studiengruppen.

Wie die Ärzte aus Österreich und Deutschland berichten, wurde die von dem Schweizer Unternehmen Ixodes AG finanziell unterstützte Studie vorzeitig beendet. Denn acht Wochen nach Studienbeginn lag der Anteil der Patienten mit Therapieversagen in beiden Studiengruppen jeweils bei zwei Prozent (n = 11; Odds Ratio: 0,97). Unerwünschte Wirkungen waren in beiden Gruppen mit einem Anteil von 26 Prozent gleich häufig.

Darüber hinaus nahmen die Ärzte eine Post-hoc-Untersuchung vor, für die der primäre Endpunkt nur durch den Nachweis eines Erythema migrans definiert war und für die Studienteilnehmer berücksichtigt wurden, die von einer mit Borrelien infizierten Zecke gestochen worden waren. Das waren jeweils 87 Teilnehmer. 30 Tage nach Studienbeginn war in der Verumgruppe bei keinem Teilnehmer ein Erythema migrans aufgetreten, in der Placebogruppe dagegen bei sieben.

Eine endgültige Aussage über die Wirksamkeit der topischen Behandlung mit Azithromycin lasse dieses Ergebnis aber nicht zu, so die Ärzte. Sie erinnern daran, dass in Europa zwischen ein und fünf Prozent der Menschen mit Zeckenstich eine Lyme-Borreliose entwickeln. In der vorliegenden Studie habe sich bei 1,4 Prozent der Teilnehmer in der Placebogruppe, bei denen ein Zeckenstich bestätigt worden sei, ein Erythema migrans gebildet. Der Anteil der Menschen in Österreich und Deutschland, die im Studienzeitraum zwischen Juli 2011 und Dezember 2012 von infizierten Zecken gestochen worden seien, habe bei 17,5 Prozent gelegen, was dem Anteil in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern mit der gleichen Meereshöhe entspreche.

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