Ärzte Zeitung online, 09.05.2017
 

FSME und Borreliose

Urlaub besser mit Zeckenschutz planen!

Nicht nur in Süddeutschland, sondern auch bei Reisen nach Nord- und Osteuropa kann das FSME-Risiko erhöht sein und die Impfung ist zu empfehlen. Auch wegen der Borreliose-Gefahr ist zudem der Zeckenschutz wichtig.

Urlaub besser mit Zeckenschutz planen!

Traumurlaub mit Haus am See: In Südschweden ist dazu in vielen Regionen eine FSME-Impfung ratsam.

© Johansson / fotolia.com

DÜSSELDORF. Sobald die Temperaturen an mehreren Tagen auf 7°C oder wärmer steigen, werden Zecken aktiv. Wer sich in Risikoregionen in der Natur aufhält, sollte dann Zeckenstiche vermeiden, um Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose vorzubeugen. Als FSME-Risikogebiete gelten in Deutschland 146 Landkreise; weitere Gebiete gibt es in Österreich und vielen Ländern Nord- und Osteuropas. Borreliose ist weltweit verbreitet. Besonders vor Camping- und Outdoor-Urlauben ist Reisenden daher Zeckenschutz und die FSME-Impfung ans Herz zu legen, erinnert das CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung.

Zu den Ländern mit dem höchsten FSME-Risiko zählen danach die baltischen Staaten, Süd-Skandinavien sowie Tschechien und Russland. In Deutschland sind besonders Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen betroffen. "Hierzulande sind im Zeitraum von 2002 bis 2016 4128 Menschen an FSME erkrankt, wobei die Zahlen der Erkrankten jährlich stark schwanken", wird Professor Tomas Jelinek vom CRM in der Mitteilung zitiert. "2016 waren es mit 348 Erkrankungen 51 Prozent mehr als im Vorjahr mit 219."

Für die ebenfalls durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose liegen nur Schätzungen der Fallzahlen vor, da es keine einheitliche Meldepflicht gibt. Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien in Bayern schätzt, dass in Deutschland jedes Jahr 60.000 bis 100.000 Menschen neu daran erkranken. Borreliose ist wegen der vielen möglichen Symptome oft nur schwer zu diagnostizieren. Sehr selten kann es zu chronischer Lyme-Arthritis, Neuroborreliose oder Myokarditis kommen.

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es bisher nicht. Borrelien treten in allen gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel auf. "Wer sich in Borrelien- und FSME-Verbreitungsgebieten viel im Freien aufhält, sollte sich vor Zecken schützen und gegen FSME impfen lassen", rät Jelinek in der Mitteilung.

Dies gilt nicht nur für Waldspaziergänge und Campingausflüge. Häufig tauchen Zecken auch in Gärten, Hinterhöfen, an Mauerstreifen und auf Spielplätzen auf. Sie werden von Nagetieren, Vögeln, Hunden und Katzen verbreitet. Haustiere bringen sie auch schon mal mit in die Wohnung.

Für den FSME-Schutz sind drei Impfstoffdosen notwendig, die im Abstand von mindestens 14 Tagen (erste und zweite Dosis) und dann fünf bis zwölf Monaten (zweite und dritte Dosis) verabreicht werden. Vor einem Urlaub ist auch ein Schnellschutz möglich mit zwei Dosen im Abstand von 14 Tagen. Die Impfung sollte, je nach Lebensalter, alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden.

Patienten sollten zudem allgemeine Schutzmaßnahmen gegen Zecken empfohlen werden: lange Hosen und geschlossene Schuhen in der Natur und Repellents. Am wichtigsten ist die Körperkontrolle nach dem Ausflug. "Dabei sollten vor allem von Zecken bevorzugte Körperregionen wie Kniekehlen, Achseln, Schambereich, Bauchnabel, Bauchfalten und der Bereich hinter den Ohren gründlich abgesucht werden", so Jelinek.

Je schneller die Zecke entfernt werden kann, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borreliose. Empfohlen wird dazu, eine feine Pinzette so dicht wie möglich über der Haut anzusetzen und die Zecke am Kopf herauszuziehen.

Der Körper des Tieres sollte nicht gequetscht werden, sonst könnte erregerhaltiges Sekret aus dem Zeckenleib in die Stichstelle gedrückt werden. Nach dem Entfernen sollte die Einstichstelle desinfiziert werden. Danach gilt es, die Einstichstelle gut zu beobachten: Bildet sich ein Erythema migrans, empfiehlt das Robert Koch-Institut eine Antibiotika-Therapie: Mittel der Wahl sind gegenwärtig Tetracycline wie Doxycyclin. Bei Kindern und Schwangeren ist Doxycyclin kontraindiziert, empfohlen werden Amoxicillin oder Cefuroxim. Bei Unverträglichkeiten ist Azithromycin das Mittel der Wahl. (eb/eis)

Diagnostik der Lyme-Borreliose

» Bei chronischer Manifestation bereiten die komplexen Krankheitsbilder vielfältige Probleme.

» Klinische Symptome sind in erster Linie die Basis der Diagnose, betont das Nationale Referenzzentrum für Borrelien in Bayern.

» Unkritische Bewertung serologischer Befunde und ungenügend evaluierte Tests (etwa Lymphozytentransformationstest und Antigennachweis aus Urin) hätten dazu geführt, dass unklare Syndrome wie Fibromyalgie oder chronisches Müdigkeitssyndrom der Lyme-Borreliose zugeordnet wurden, so das Zentrum.

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