Direkt zum Inhaltsbereich

Krebsmittel revidieren Fehlregulation von Genen

DÜSSELDORF (nsi). Zu den erfolgversprechendsten neuen Ansätzen für die spezifische Krebstherapie gehören Substanzen, die die Methylierung von Genen, also das Anheften von Methylgruppen, regulieren. Zwei solcher Substanzen sind in den USA jetzt für die Behandlung bei Myelodysplastischem Syndrom zugelassen worden.

Veröffentlicht:

Über diesen neuen Therapieansatz hat Privatdozent Oliver Galm von der Uniklinik Aachen beim Medica-Kongress in Düsseldorf berichtet. Epigenetische Veränderung ist das Stichwort für diese neue Anti-Krebs-Strategie, die nicht auf pathologische DNA-Mutationen abzielt, sondern auf die Feinarbeit nach einer Zellteilung.

Denn damit Gene zur richtigen Zeit am richtigen Ort aktiv sind, bedarf es Feinabstimmungen der Genregulierung. Ein Mechanismus dafür ist das Anheften von Methylgruppen - kleinen Kohlenwasserstoff-Verbindungen - an Gene und das Entfernen, und dies ist auch bei der Krebsentstehung von Bedeutung. Das Anheften und Entfernen besorgen Enzyme: die DNA-Methyltransferasen, kurz mit DNMT bezeichnet

Kohlenwasserstoff-Kappen hemmen tumorsuppressive Gene.

Sitzen viele Methylgruppen auf der DNA eines Gens, dann gelangen Enzyme nicht an das Erbgut, die den Bauplan für die Eiweißsynthese ablesen; das Gen ist zeitweise stummgeschaltet. Werden die Methylgruppen abgenommen, ist die Bahn wieder frei, um die Proteinsynthese in Gang zu setzen. Bösartige Tumoren können dadurch entstehen, dass zu viele Methyl-Kappen auf der DNA sitzen und so tumorunterdrückende Gene blockieren. Schon jetzt wird der Methylierungsgrad bestimmter Gene als diagnostischer Marker für die Malignität verwendet.

Für die Therapie beim Myelodysplastischen Syndrom hat die Food and Drug Administration die DNMT-Hemmer 5-Azacytidin (Vidaza™) und 5-Aza-2-Desoxy-Cytidin (Dacogen™) zugelassen. Beide Substanzen haben ein günstiges Nebenwirkungsprofil mit geringer Myelotoxizität und wenigen nicht-hämatologischen, unerwünschten Wirkungen. DNMT-Hemmer können offenbar schützende Gene sogar wieder anschalten.

Eine vielversprechende Perspektive wird auch in der gleichzeitigen Anwendung anderer epigenetischer Modifikatoren gesehen, den Histondeacetylasen (HDAC). Die Enzyme entfernen Acetylgruppen von Histonen, den für die DNA-Verpackung erforderlichen Proteinen. Dadurch wird ebenfalls die Transkription beeinflusst. DNMT und HDAC-Hemmer werden bereits klinisch geprüft.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München

Interimsanalyse der TRIM-Studie

Nachsorge von Melanomen: Bildgebung womöglich nutzlos

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfolgreiche Überbrückung bis zur Transplantation

Schwer an ARDS Erkrankter überlebt Entfernung beider Lungenflügel

Anpassungsvorgänge brauchen Zeit

Höhenkrankheit bei Kindern und Jugendlichen: Das gilt es zu beachten

Lesetipps
Ein Mann liegt im Bett und schaut auf sein Handy.

© Andrii Lysenko / Stock.adobe.com

Insomnie

Wie sich schlechter Schlaf auf Schmerzen auswirkt

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram