Ärzte Zeitung, 27.03.2009

Kommentar

Mehr Hoffnung als Fakten bei Krebs

Von Peter Leiner

So erfreulich die Daten der EUROCARE-4-Studie zu Krebs in Europa auf den ersten Blick sind - sie sind erst einmal nur ein Indiz, dass sich die Situation gebessert hat; nicht aber ein Beweis. Zum einen wurden die Daten der mehr als 13 Millionen Patienten nur bis zum Jahr 2002 ausgewertet. Zum anderen sind die zugrunde liegenden Registerdaten alles andere als einheitlich. Beispiel: In Schweden und Österreich etwa decken die Registerdaten 100 Prozent der Bevölkerung ab. In Spanien und in der Tschechischen Republik sind es dagegen nur acht Prozent, in Deutschland sogar nur ein Prozent, hauptsächlich aus dem Register des Saarlandes. Und: Es wurden nur 49 der 83 Krebsregister der EUROCARE-4-Studie für die Auswertung genutzt.

Wo damit auch Deutschland in Sachen Diagnostik- und Therapieerfolg bei Krebspatienten genau steht, lässt sich an den Ergebnissen dieser Studie nicht ablesen. Eher wäre das an Daten eines nationalen Krebsregisters ablesbar. Erst wenn alle Daten der Landeskrebsregister zusammengeführt und gemeinsam einheitlich ausgewertet werden, kommt man der Realität in Sachen Krebs in Deutschland näher. Aber von Einigkeit bei der Umsetzung kann bisher keine Rede sein. So bleibt alles bislang nur Stückwerk.

Lesen Sie dazu auch:
Immer mehr Krebspatienten werden geheilt

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