Ärzte Zeitung, 21.03.2012

Helmholtz-Professur für Zellbiologin Grummt

Eine ältere Spitzenforscherin bleibt Deutschland erhalten. Sie hat die Bedeutung der epigenetischen Regulation erkannt.

HEIDELBERG (eb). Die renommierte Zellbiologin Professor Ingrid Grummt erhält für drei Jahre über ihre Pensionierung hinaus eine "Helmholtz-Professur". Gestiftet wird sie von der Helmholtz-Gemeinschaft am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Grummt erforscht zelluläre Prozesse im Chromatin, die entscheiden, welche DNA-Bereiche abgelesen und welche dauerhaft stillgelegt werden, teilt das DKFZ mit. Das Chromatin ist ein komplizierter Komplex aus DNA und Bindeproteinen.

Ohne die Verpackung in Chromatin würden weitaus mehr DNA-Schäden wie Strangbrüche auftreten. Solche Schäden sind mit Alterung und Krebs assoziiert.

Besonders konzentriert sich die Zellbiologin auf nicht-kodierende RNA-Moleküle: Etwa 70 Prozent der Erbinformation werden in RNA umgeschrieben, jedoch nur etwa zwei Prozent dieser RNA trägt den Code zum Bau von Proteinen.

"Epigentische Regulation"

Die übrigen, nicht-kodierenden RNA-Moleküle regulieren viele lebenswichtige Prozesse der Zellen. Vor wenigen Jahren entdeckte Grummt mit ihrem Team, dass einige nicht-kodierende RNAs Proteine zu ihren Bestimmungsorten im Erbgut lotsen, darunter Eiweiße, die das Chromatin chemisch modifizieren.

Solche Modifikationen, die "epigentische Regulation", wirken sich darauf aus, welche Bereiche des Erbguts abgelesen werden. Mit ihrer künftigen Arbeit will Grummt genau aufklären, auf welche Weise nicht-kodierende RNA-Moleküle an diesen Regulationsvorgängen beteiligt sind.

"Die Kontrolle der Genaktivität durch nicht-kodierende RNAs könnte sich als wichtige Schaltstelle herausstellen", erklärt Grummt ihr Forschungsgebiet in der Mitteilung des DKFZ. Damit könnten die Arbeiten ein erster Schritt hin zu neuartigen Medikamenten sein.

Die Zellbiologin wurde mit einer Reihe hochkarätiger wissenschaftlicher Preise ausgezeichnet, darunter 1990 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis oder 2010 mit dem Women in Science Award".

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