Ärzte Zeitung online, 10.05.2017
 

Pankreaskarzinom

Statinanwender leben länger

Die Überlebenschancen von Patienten mit duktalem Adenokarzinom des Pankreas werden möglicherweise durch eine Statintherapie verbessert.

Von Beate Schumacher

Statinanwender leben länger

Statine verbessern die Überlebenschancen von Patienten mit Pankreaskarzinom.

© Photos.com plus

PASADENA. Statine sind bei verschiedenen Krebserkrankungen mit einer besseren Prognose quoad vitam in Zusammenhang gebracht worden. Nach Daten des Gesundheitsdienstleisters Kaiser Permanente Southern California könnte dies auch auf Patienten mit duktalem Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) zutreffen. Die Höhe des Cholesterinspiegels scheint dafür unerheblich zu sein.

Zur Auswertung gelangten die Daten von 2142 Versicherten, die zwischen 2006 und 2014 eine PDACDiagnose erhalten hatten (J Natl Cancer Inst 2017; 109: djw275). Bei über der Hälfte war der Krebs zu diesem Zeitpunkt schon metastasiert, nur jeder fünfte Patient wurde operiert, jeder zweite bekam eine Chemotherapie. Die Überlebenszeit lag median bei 4,6 Monaten.

1155 Patienten erhielten eine cholesterinsenkende Behandlung mit einem Statin – meistens Simva-, Lova- oder Atorvastatin –, bei fast 98 Prozent war damit vor der Krebsdiagnose begonnen worden. Die Statinpatienten waren insgesamt älter und häufiger männlich, sie hatten seltener Metastasen, aber mehr Begleiterkrankungen. Im Median überlebten sie 4,7, Patienten ohne Statintherapie 4,6 Monate – ein nicht signifikanter Unterschied.

Wurden jedoch Alter, Krebsstadium und Art der Krebstherapie berücksichtigt, ergab sich für die Statinanwender ein um 13 Prozent geringeres Mortalitätsrisiko. Auf der Ebene der einzelnen Wirkstoffe waren nur Simva- und Atorvastatin mit einer reduzierten Mortalität assoziiert, das Risiko lag um 13 beziehungsweise um 42 Prozent niedriger als bei Patienten ohne Statin. Ähnliche Vorteile waren festzustellen, wenn nur die Patienten mit vorbestehender Statintherapie betrachtet wurden: mit einer Mortalitätsreduktion um 12 Prozent in der Gesamtgruppe sowie um 17 beziehungsweise 24 Prozent unter Simva- beziehungsweise Atorvastatin. Voraussetzung war jedoch, dass das Statin für die Dauer von mindestens neun Monaten verordnet worden war.

Kein Zusammenhang zeigte sich dagegen zwischen LDL-Cholesterin im Serum und Mortalität. Das heißt, die mutmaßliche Wirkung der Statine wird nicht über den Cholesterinspiegel vermittelt. Dementsprechend blieb eine Statintherapie auch nach Abgleich des LDL-Cholesterins mit einem längeren Überleben assoziiert. Geschlechtszugehörigkeit, Krankheitsstadium und Erhalt einer Chemotherapie hatten ebenfalls keinen Einfluss auf die bessere Prognose unter Statinen.

Dass es sich bei dem beobachteten Zusammenhang um einen "healthy user"-Effekt handelt, weil Statine den weniger kranken Patienten verordnet wurden, halten die Studienautoren für unwahrscheinlich. Das Sterberisiko der Statinanwender lag auch im Vergleich zu Patienten mit einer PPI-Therapie um 17 Prozent niedriger.

Wie Brian Z. Huang von Kaiser Permanente und seine Koautoren berichten, gab es zumindest für Pankreaskrebs im Frühstadium schon aus zwei vorangegangenen Untersuchungen Hinweise auf eine lebensverlängernde Wirkung von Statinen. Für eine antineoplastische Wirkung werden verschiedene Mechanismen postuliert:

- Durch die Hemmung der HMG-CoA-Reduktase wird die Prenylierung von Proteinen verhindert, darunter die für den Zellzyklus und die Zellproliferation benötigten Proteine Ras und Rho.

- In Mausmodellen für Pankreaskrebs hemmen Simva- und Atorvastatin die Aktivierung des Protoonkogens K-Ras.

- Statine unterdrücken die durch EGF induzierte Invasion von Krebszellen.

- Statine können über Enzyme wie Kaspase, ERK oder Survivin die Apoptose induzieren.

Vor dem Hintergrund des "im Vergleich zu Chemotherapeutika sicheren Nebenwirkungsprofils" gehen die Ärzte um Huang davon aus, dass "Statine sich als vielversprechende Zusatztherapie für Pankreaskrebspatienten erweisen könnten".

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