Ärzte Zeitung online, 19.12.2017

Krebs

Zigaretten und Alkohol sind eine fatale Mischung

Der gleichzeitige Konsum von Tabak und Alkohol erhöht die Wahrscheinlichkeit für Krebs. Dabei sind auch die Gene von Bedeutung.

Von Alexander Joppich

HEIDELBERG. Wer regelmäßig trinkt und raucht ist sehr viel anfälliger dafür, Krebs zu entwickelt. Darauf hat Professor Helmut Seitz, Direktor des Alkoholforschungszentrums (AFZ) in Heidelberg, bei der 15. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle hingewiesen. Da mehr als neun von zehn Alkoholikern auch rauchten, habe diese Kombination Einfluss auf die Behandlung von Patienten im Praxisalltag – Ärzte sollten den Zusammenhang auf die Krebspathogenese kennen.

Seitz erklärte den molekularen Mechanismus für die verstärkte Krebsentstehung bei Menschen, die beiden Laster frönen: Acetaldehyd, als erstes Stoffwechselprodukt beim Alkoholabbau im Körper, sei karzinogen. Da auch im Zigarettenrauch Acetaldehyd enthalten sei, habe der Konsum beider Substanzen einen hohen karzinogen Effekt auf den Organismus. Das Abbauprodukt schädige sowohl die DNA wie auch die Reparatur dieser.

5,5% aller Krebsfälle hängen mit Alkohol zusammen, so eine Studie.

Die Genetik sei weiterhin ein wichtiger Faktor für den Zusammenhang von Alkohol und Krebs, sagte der Chefarzt für Innere Medizin am Krankenhaus St. Vinzentius in Heidelberg bei der Veranstaltung im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Bei den schädlichen Auswirkungen des Acetaldehyds gebe es einen ethnischen Faktor, so Seitz: 20 Prozent aller Kaukasier haben einen Genotyp von ADH1C, der zur Folge hat, dass beim Abbau von Ethanol mehr Acetaldehyd entsteht als normalerweise. Jedoch sei zudem auch umgekehrt ein großer Teil der Asiaten vom größeren Krebsrisiko bei Alkoholkonsum betroffen. Dies liege daran, dass diese im Vergleich zu Kaukasiern nur zehn Prozent des Enzyms ALDH2 produzierten: Dieses Enzym baut Acetaldehyd zu Essigsäure ab; ein Fehlen von ALDH2 führe logischerweise zum Anstieg des Acetaldehyd-Spiegels im Körper.

"Alkohol ist eine krebsauslösende Substanz", resümierte Seitz bei dem Kongress am DKFZ, und Rauchen verstärke die Gesundheitsgefahr durch biochemische Prozesse im menschlichen Organismus weiter. Der Konsum beider Substanzen in hohem Maße potenziere das Krebsrisiko. Der Forscher vom Heidelberger AFZ verwies auf eine Studie im International Journal of Cancer, wonach inzwischen rund jeder zwanzigste Krebsfall dem Alkohol zugeschrieben wird (International Journal of Cancer 2015; online 28. Oktober).

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