Ärzte Zeitung online, 23.03.2018

Kein Beleg gefunden

Vitamin D schützt wohl nicht vor Krebs

Eine internationale Forschergruppe von Epidemiologen, Genetikern und Gesundheitsforschern hat in einer großen Studie keine vor Krebs schützende Wirkung von Vitamin D belegen können. Deshalb raten sie von einem Screening und von einer Supplementierung des Vitamins zur Krebsprävention ab.

Von Peter Leiner

Vitamin D schützt wohl nicht vor Krebs

Die Wissenschaftler raten von einer Supplementierung von Vitamin D zur Krebsprävention ab.

© onairjiw / Getty Images / iStock

IOANNINA / DUBLIN. Bisherige randomisierte Studien und Beobachtungsstudien zum Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Spiegeln im Blut und dem Krebsrisiko waren nicht aussagekräftig genug.

Deshalb haben die Epidemiologin Vasiliki I. Dimitrakopoulou von der Universität in Ioannina, Griechenland, und ihre Kollegen eine umfangreiche Datenanalyse mithilfe der Mendelschen Randomisierung vorgenommen (BMJ 2017; 359: j4761).

Kein überzeugender Beleg

Dafür nutzten sie drei große genetische und epidemiologische Krebsdatenbanken. Bei der statistischen Methode wurden in der Regel vier sogenannte SNPs (Single Nucleotide Polymorphismus) in den Blick genommen.

Diese Genvarianten standen in genomweiten Assoziationsstudien eng im Zusammenhang mit der Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D im Blut.

Das SNP rs10741657 zum Beispiel liegt im Chromosom 11 unweit des Gens für Cytochrom P450 im Gen CYP2R1, das den Bauplan für eine Vitamin-D-Hydroxylase enthält. "rs" steht dabei für "reference SNP ID number".

Mendelsche Randomisierung

» Analysiert wurden die Daten dreier Krebsdatenbanken.

» Von vier SNPs war aus Assoziationsstudien bereits bekannt, dass sie eng im Zusammenhang mit der Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D im Blut.

» Mittels Mendelscher Randomisierung untersuchten die Forscher dann, ob die vier SNPs in einem kausalen Zusammenhang zu bestimmten Krebserkrankungen stehen. Die Methode stützt sich auf die Regel, dass die Vererbung eines Merkmals unabhängig ist von der Vererbung anderer Merkmale.

» Mit dem statistischen Verfahren ist eine kausale Interpretation beobachteter Zusammenhänge möglich.

Die von den Wissenschaftlern angewandte Methode stützt sich auf die Regel, dass die Vererbung eines Merkmals unabhängig ist von der Vererbung anderer Merkmale. Mit dem modernen statistischen Verfahren ist eine kausale Interpretation beobachteter Zusammenhänge möglich.

Die von den Epidemiologen für die statistische Auswertung genutzten Daten stammten von insgesamt 70.563 Krebspatienten, die an sieben unterschiedlichen Tumorarten erkrankt waren: 22.898 hatten ein Prostatakarzinom, 15.748 Brustkrebs, 12.537 ein Lungenkarzinom, 11.488 ein kolorektales Karzinom, 4369 ein Ovarial- und 1896 ein Pankreaskarzinom sowie 1627 ein Neuroblastom. Primärer Endpunkt der Studie war das Risiko, an einem der sieben Tumorarten zu erkranken.

Die Auswertung ergab keinen überzeugenden Beleg für einen linearen kausalen Zusammenhang zwischen den genetisch determinierten Vitamin-D-Spiegeln im Blut und dem Risiko, an einer der untersuchten Krebsarten zu erkranken.

Die Existenz eines geringen klinisch relevanten Effekts können die Wissenschaftler jedoch nicht ausschließen. In der Studie betrug das Quotenverhältnis (Odds Ratio, OR) für jede Zunahme der genetisch bestimmten Vitamin-D-Konzentration um 25 nmol/l den Berechnungen zufolge zum Beispiel beim Kolorektalkarzinom 0,92 (95%-Konfidenzintervall: 0,76–1,10; p = 0,36).

Bevölkerungsscreening nicht sinnvoll

Der Zusammenhang zwischen höheren Vitamin-D-Spiegeln und einer geringeren Erkrankungsrate war somit nicht signifikant. Dies galt auch für die Ergebnisse der Auswertung zum Brustkrebs (OR: 1,05; 95%-Konfidenzintervall: 0,89–1,24), Prostatakarzinom (OR: 0,89 (95%-Konfidenzintervall: 0,77–1,02) und Lungenkarzinom (OR: 1,03 (95%-Konfidenzintervall: 0,87–1,23).

Auch beim Ovarial-Ca., Pankreas-Ca und Neuroblastom gab es keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Konzentration und Krebsrisiko. Dies galt schließlich auch für die untersuchten Subgruppen, etwa im Zusammenhang mit dem Geschlecht, der Tumorlokalisation und dem Histologietyp.

Aufgrund der Ergebnisse der Mendelschen Randomisierung halten Dimitrakopoulou und ihre Kollegen ein Bevölkerungsscreening auf Vitaminmangel und eine entsprechende Supplementation zur Primärprävention von Krebs derzeit für nicht für sinnvoll.

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