Ärzte Zeitung online, 20.06.2018

Zwischen Mann und Frau

Viele geschlechtsspezifische Unterschiede bei Krebs

Männer sterben eher an Krebs, Frauen leiden stärker an Nebenwirkungen einer onkologischen Behandlungen. Viele geschlechtsspezifische Zusammenhänge beim Thema Krebs sind noch unklar.

NEU-ISENBURG. Krebskranke Männer müssen im Durchschnitt mit einer rascheren Progression ihrer Erkrankung rechnen als Frauen. Die mittlere Fünfjahres-Überlebensrate über alle Entitäten hinweg lag 2011/12 bei Männern schätzungsweise bei 62 Prozent, bei Frauen bei 67 Prozent.

Männer erkranken häufiger an Krebs, die Mortalitätsraten sind höher: Das Lebenszeitrisiko, an Krebs zu erkranken, liegt bei Männern bei 51 Prozent, bei Frauen sind es 43 Prozent.

Die Gründe für all diese Tatsachen sind bislang nur teilweise klar. Ganz allgemein wird angenommen, dass außer genetischen Unterschieden die Geschlechtshormone von maßgeblicher Bedeutung sind, gerade auch, was die Immunabwehr von malignen Zellen angeht, die besonders bei Frauen vor der Menopause vergleichsweise besser sein soll. Auf der anderen Seite spielen der Lebensstil und das Risikoverhalten eine Rolle.

Während Männer immer weniger rauchen, sind es immer mehr junge Frauen, die zur Zigarette greifen, weshalb in den kommenden Jahren weiterhin mit einer steigenden Inzidenz von Lungenkrebs bei Frauen gerechnet wird. Zwar ist Lungenkrebs bei Männern mit einem Anteil von etwa 25 Prozent noch die häufigste Krebstodesursache, aber mit fallender Tendenz.

Auch beim Harnblasenkarzinom wird mit einer Angleichung der Erkrankungszahlen gerechnet, weil auch dieses Malignom ebenso stark mit Tabakkonsum assoziiert ist.

Schilddrüsenadenome häufiger bei Frauen

Geschlechtsspezifische Besonderheiten bestimmen unterschiedliche Häufigkeiten weiterer Krebsentitäten. So werden Gallensteine besonders nach Schwangerschaften diagnostiziert.

Diese könnten zu einer chronischen Entzündung der Gallenblase führen, was wiederum mit einem erhöhten Karzinomrisiko einhergeht. Schilddrüsenadenome sind häufiger bei Frauen als bei Männern (siehe nachfolgende Grafik), ebenso Morbus Basedow und Immunthyreoiditiden. Ob das Gründe sind, dass Frauen etwa zweieinhalb Mal häufiger als Männer Schilddrüsenkarzinome bekommen, ist unbekannt.

Eine weitere Beobachtung ist, dass Frauen anders als Männer auf onkologische Therapien ansprechen und häufiger an Nebenwirkungen leiden. Auch dafür gibt es bislang keine befriedigende Erklärung.

Die unterschiedliche Fett- und Muskelmasse sowie die erhebliche Variabilität pharmakokinetischer und pharmakodynamischer Parameter, so die Kritik etwa von Professor Wolf-Dieter Ludwig aus Berlin, werden bei Chemotherapien bislang meist wenig berücksichtigt, gerade wenn die Zytostatika-Dosis anhand der Körperoberflächenformel berechnet wird.

Beklagt wird seit langem auch, dass Frauen in klinischen Krebsstudien unterrepräsentiert sind. Das hat wahrscheinlich etwas mit Befürchtungen zu tun, bei Frauen in gebärfähigem Alter langfristig Schäden der Nachkommenschaft auszulösen. (ner; Quelle: Uro-News 2016; 20: 10-12)

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