Ärzte Zeitung online, 07.11.2018

Umweltmedizin

Hormonschädigende Stoffe im Blick der EU-Kommission

BRÜSSEL. Die EU-Kommission will nun die Auswirkungen hormonschädigender Chemikalien unter die Lupe nehmen. Dazu sollen auch Schlupflöcher in der EU-Gesetzgebung untersucht werden, so die Brüsseler Behörde am Mittwoch. Eine öffentliche Umfrage sei ebenfalls geplant.

Hormonell wirksame Stoffe – sogenannte endokrine Disruptoren – finden sich etwa in Körperpflegeprodukten. Sie werden mit Krebs und Fortpflanzungsstörungen in Verbindung gebracht. In der EU wird ihr Einsatz  derzeit allerdings in verschiedensten Gesetzesbereichen reguliert, etwa bei der Nahrungsmittelsicherheit und bei Umweltvorgaben.

Europäische Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen hatten zuletzt eine umfassendere EU-Strategie gefordert. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte nun, vor neuen Gesetzesinitiativen sei erst noch ein umfassender „Fitness-Check“ der bestehenden Regeln notwendig.

Die Grünen im Europaparlament fordern strengere Prüfverfahren, da hormonell wirksame Stoffe auch schon in sehr geringer Dosis Menschen schaden könnten. Außerdem pocht die Fraktion auf einen offenen Zugang zu allen Studien, die solche Stoffe untersuchen.

Eine von den Grünen selbst in Auftrag gegebene Studie ergab: Die Ablagerung von Pestiziden, die endokrine Disruptoren enthalten, lässt sich im menschlichen Körper häufig nachweisen. Ein französisches Forschungsinstitut untersuchte dafür rund 150 Haarproben aus sechs EU-Ländern. Rund 60 Prozent der Haare wiesen mindestens ein Pestizid auf.

Am häufigsten kam der Stoff Fipronil vor, der vor allem durch einen Skandal mit verseuchten Eiern bekannt wurde. „Die Ergebnisse müssen ein Weckruf sein“, sagte der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold. Niemand könne sich selbst vor den giftigen Stoffen schützen, da sie in vielen Alltagsprodukten enthalten seien. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Warum haben immer mehr junge Menschen Darmkrebs?

In Deutschland steigt die Darmkrebshäufigkeit bei unter 50-Jährigen. Vermutungen gibt es, woran's liegt. Forscher suchen nach Risikofaktoren, um vorzubeugen. mehr »

Familienchaos befeuert kindliches Asthma

Depressionen, Streit und Chaos innerhalb der Familie lassen die Symptome asthmakranker Kinder eskalieren und mindern die Chancen für eine bedarfsgerechte Versorgung. Eine Studie hat die Zusammenhänge genauer erforscht. mehr »

Nur Amyloid geben – Das ist wohl zu kurz gedacht

Jahrelang stand Beta-Amyloid im Fokus von neuen Alzheimer-Therapien – bislang ohne Erfolg. Offenbar wurden andere Faktoren unterschätzt, vermutet Professorin Agnes Flöel von der Universitätsmedizin Greifswald. mehr »