Ärzte Zeitung, 19.06.2012

Kommentar zu Krebsauslöser Dieselabgase

"Amtlich" - aber ohne Konsequenzen

Von Peter Leiner

Jetzt ist es also quasi amtlich: Die WHO stuft Dieselmotoremissionen als krebserregend ein, und zwar in die höchste Kategorie, sieht also einen kausalen Zusammenhang zwischen Komponenten der Abgase und der Entstehung von Lungenkrebs.

Diese Entscheidung könnte helfen, etwa die Entwicklung von Dieselmotoren mit weniger Abgasen oder von Elektromotoren voranzutreiben und die Arbeitsbedingungen unter Tage sicherer zu machen - muss es aber nicht. Denn über die Gefährlichkeit von Feinstaub, eben auch aus Dieselmotoren ist sich jeder im Klaren - seit Jahren.

Studien dazu gibt es zuhauf. Nicht zuletzt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie betont seit langem die Gefährlichkeit der Stoffe in den Dieselabgasen für die Lunge.

Es ist also zu befürchten, dass sich zunächst einmal nicht viel ändern wird. So hoch der Aufmerksamkeitswert der Neubewertung von Dieselabgasen durch die WHO in den vergangenen Tagen in den Medien war, so rasch wird dies durch andere Themen wieder verdrängt werden.

Und solange andere Interessen als der Gesundheitsaspekt die Entwicklung von Motoren steuern, solange wird sich am Feinstaubgehalt auf den Straßen und in den Minen nicht viel ändern - amtlich hin oder her.

Lesen Sie dazu auch:
WHO: Dieselabgase lösen Krebs aus

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Viele falsche Vorstellungen, was Krebs verursacht

Stress, Handystrahlen und Trinken aus Plastikflaschen lösen Krebs aus, denken viele fälschlicherweise. Die wahren Risikofaktoren kennt nur jeder Zweite, so eine Studie. mehr »

Höherer Zuschlag für Terminvermittlung

Das Bundeskabinett will sich heute mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz beschäftigen. Am Entwurf wurde vorab noch gebastelt – er enthält wichtige Änderungen. mehr »

Die übersehene Speiseröhren-Entzündung

Lange glaubte man, die eosinophile Ösophagitis komme nur selten vor. Inzwischen zeigt sich: Es gibt immer mehr Patienten mit dieser chronischen Entzündung der Speiseröhre. mehr »