Ärzte Zeitung, 10.02.2015

Hysterektomie

Drei Prozent mit unerwartetem Malignom

Bei fast drei Prozent der Frauen, bei denen eine Hysterektomie wegen einer benignen Indikation vorgenommen wird, werden auch Malignome entdeckt, jedes dritte ist ein Endometriumkarzinom.

Von Peter Leiner

ANN ARBOR. Bisherige Untersuchungen zur Häufigkeit zufällig bei Hysterektomien entdeckter Malignome waren nur klein und meist jeweils nur an einem Zentrum vorgenommen worden.

Gynäkologen um Dr. Nichole Mahnert vom University of Michigan Health System in Ann Arbor entschieden sich in einer bevölkerungsgestützten Studie prospektiv gesammelte Befunde von ursprünglich fast 7500 Patientinnen mit diesem minimalinvasiven Eingriff zu analysieren (Obstet Gynecol 2015; online 7. Januar).

Die Befunde aus dem Jahr 2013 von insgesamt 6360 Frauen aus mehr als 50 teilnehmenden Kliniken entsprachen letztlich den Studienkriterien.

Als zufällig entdeckte Malignome wurden pathohistologisch bestätigte maligne Veränderungen eingestuft, ohne dass dabei Krebs eine Indikation für den chirurgischen Eingriff war oder es einen Verdacht auf eine zervikale Dysplasie oder eine Endometriumhyperplasie mit Atypien gab - und damit mit einem hohen Entartungsrisiko.

Anlass für die Hysterektomien waren unter anderem unklare Tastbefunde, Vaginalprolaps, Schmerzen im kleinen Becken und ein Leiomyosarkom.

Bei insgesamt 172 Frauen (2,7 Prozent) entdeckten die Ärzte bei der Hysterektomie ein gynäkologisches Malignom. Bei 69 Frauen (1,08 Prozent) handelte es sich um Ovarial-, Peritoneal- und Eileitertumoren.

65 Patientinnen (1,02 Prozent) hatten ein Endometriumkarzinom, das damit in der aktuellen Studie deutlich häufiger war als in bisherigen Studien (zwischen 0,13 Prozent und 0,45 Prozent). Möglicherweise liege das an dem höheren Anteil an Hochrisikopatientinnen in der Studie, so die Ärzte.

Inzidenz schwankt zwischen 0,21 und 0,38 Prozent

Insgesamt 14 Frauen (0,22 Prozent) hatten ein Uterussarkom und 13 (0,20 Prozent) Krebsmetastasen. Bei elf Patientinnen (0,17 Prozent) wurde beim Eingriff zufällig ein Zervixkarzinom entdeckt.

Nach Angaben von Mahnert und ihren Kollegen schwankt die Inzidenz zufällig entdeckter Uterussarkome bisherigen Studien zufolge zwischen 0,21 Prozent und 0,38 Prozent.

Aus weiteren Auswertungen geht zudem hervor, dass bei 38 Frauen (fast 21 Prozent), bei denen die Indikation für eine Hysterektomie eine Hyperplasie mit Atypien war, zufällig ein Endometriumkarzinom entdeckt wurde, aber nur bei sechs Frauen (knapp 7 Prozent) mit einer Hyperplasie ohne Atypien.

Nach Ansicht der US-Ärzte lässt sich die Wahrscheinlichkeit, bei Hysterektomien zufällig Malignome zu entdecken, durch sorgfältige Patientinnenauswahl und Diagnose deutlich verringern.

Für Uterussarkome gebe es allerdings keinen zuverlässigendiagnostischen Marker, weshalb sie auf neue Techniken setzen, mit denen sich das Risiko der Streuung zufällig entdeckter Malignome durch Morzellieren minimieren lässt, ohne den Erfolg des minimalinvasiven Eingriffs zu schmälern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Zwei Gläser Wein? Das lass lieber sein!

Wer täglich mehr als zwei Gläser Wein leert, hat ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Ob ein Komplettverzicht ratsam ist, bereitet Forschern noch Kopfzerbrechen. mehr »

Warum der Brexit körperlich krank macht

Übelkeit und Kurzatmig: Blogger Arndt Striegler hat mit seiner Hausärztin über seinen Gesundheitszustand und den Austritt aus der EU geredet – und einen Zusammenhang am eigenen Leib festgestellt. mehr »

Nach der Wahl muss Vernetzung auf die Agenda!

Gesundheitsminister Gröhe gibt einen Ausblick auf die nächste Legislaturperiode: Die stärkere Vernetzung der Akteure müsse dann höchste Priorität haben. Der Innovationsfonds soll zur Dauereinrichtung werden. mehr »