Ärzte Zeitung, 18.01.2005

Neues Medikament hungert Tumoren im Darm aus

Onkologen sprechen von neuer Ära in der Therapie

NEU-ISENBURG (ple). Als eine "neue Ära in der Darmkrebstherapie" bezeichnen Onkologen wie Professor Martin Gramatzki aus Erlangen-Nürnberg die gezielte Hemmung der Blutgefäßneubildung. Dies ist jetzt, wie gemeldet, seit wenigen Tagen durch die Behandlung mit dem Antikörper Bevacizumab (Avastin™) außerhalb von Studien auch in Europa möglich.

Der Y-förmige Antikörper Bevacizumab hemmt die Angiogenese und läßt den Tumor quasi durch Aushungern schrumpfen. Foto: obs/Hoffmann-La Roche

Durch die Behandlung mit dem Antikörper Bevacizumab gelingt es, das Leben von Patienten mit fortgeschrittenen, kolorektalen Karzinomen im Durchschnitt um fünf Monate zu verlängern, wenn das Mittel als Erst-Linien-Therapie zusätzlich zur Standardbehandlung verabreicht wird.

Dies geht aus einer Studie hervor, in der im Behandlungs-Arm die Probanden im Durchschnitt 20,3 Monate überlebten, im Placebo-Arm dagegen nur 15,6 Monate. Zudem wurde die progressionsfreie Zeit um mehr als 70 Prozent von etwa sechs auf fast elf Monate verlängert. Auf den Ergebnissen dieser Studie, die im vergangenen Jahr veröffentlich wurde (NEJM 350, 2004, 2335) beruht die Zulassung von Bevacizumab in Europa.

Der monoklonale Antikörper bindet den Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor). Die Folge: Der Faktor kann nicht an seine Rezeptoren andocken und sie aktivieren.

Normalerweise stößt die Aktivierung - ausgehend von Tyrosinkinasen auf der Innenseite der Zellmembran - eine Signalkaskade in das Zellinnere an. Über diesen Weg ist der Faktor VEGF maßgeblich am Aussprossen neuer Gefäße beteiligt. Bevacizumab blockiert diesen Weg, wodurch Tumoren von der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr abgeschnitten werden.

Außer in Europa ist das Krebsmittel des Unternehmens Hoffmann-La Roche auch in den USA und in der Schweiz zugelassen.

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