Ärzte Zeitung, 21.06.2005

Adjuvante Chemotherapie - Irinotecan ist eine Option

Operierte Patienten mit kolorektalem Karzinom profitieren von Kombitherapie / Ähnlicher Therapieerfolg wie mit platinhaltigem Regime

BERLIN (gvg). Hat Irinotecan einen Stellenwert in der adjuvanten Therapie beim Kolonkarzinom im Stadium II oder III? Professor Hansjochen Wilke von der Universität Essen ist dieser Auffassung. Auf einer Veranstaltung in Berlin wies er jetzt auf die Vorteile der Substanz hin.

Irinotecan sei eine gut verträgliche Alternative für die postoperative Therapie von Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium II oder III. Anders als bei platinhaltigen Kombinations-Chemotherapien komme es bei einer Kombination aus Irinotecan (Campto®), 5-Fluorouracil (5-FU) und Folinsäure (FS) nicht zu einer peripheren sensorischen Neuropathie, so Wilke auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer in Berlin.

Irinotecan wurde in der auf dem Kongreß der US-Gesellschaft für Klinische Onkologie vorgestellten, randomisierten, kontrollierten PETACC-3-(Pan European Trial Adjuvant Colon Cancer)-Studie evaluiert, und zwar in Kombination mit FS und 5-FU bei der adjuvanten Behandlung. Insgesamt 3278 Patienten mit operiertem Kolonkarzinom im Stadium II oder III nahmen an der Studie teil. Die Patienten im Irinotecan-Arm schnitten beim Drei-Jahres-Überleben besser ab als jene, die nur FS plus 5-FU erhielten. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant (63 Prozent versus 60 Prozent).

Das bedeute aber nicht, daß Irinotecan in der adjuvanten Chemotherapie keinen Stellenwert habe, so Wilke. Die Lymphknoten seien bei den Patienten der Studienarme unterschiedlich stark befallen gewesen. Werde der Faktor bei der Auswertung der Daten herausgerechnet, ergebe sich ein Vorteil für das Irinotecan-haltige Schema, der dem ähnele, der mit platinhaltigen Schemata erreicht werde.

Auch bei Metastasen oder Rezidiven trotz adjuvanter Therapie habe Irinotecan eine hohe Bedeutung, so Wilke. So sei ein auf Irinotecan basiertes Schema für ihn Therapie der Wahl, wenn ein platinhaltiges Schema in der adjuvanten Therapie erfolglos war. Das Risiko bei erneuter Platintherapie für eine anhaltende Neuropathie sei zu groß. Bei primärer, adjuvanter Therapie mit einem Irinotecan-haltigen Regime werde bei Metastasen zunächst ein platinhaltiger Zyklus gemacht und dann erneut ein Irinotecan-Schema.

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