Ärzte Zeitung, 10.11.2006
 

Dreifach-Chemotherapie macht oft Op von Lebermetastasen möglich

Jeder dritte zunächst inoperable Patient kann nach Chemotherapie doch operiert werden

LEIPZIG (grue). Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs leben länger, wenn Lebermetastasen chirurgisch entfernt werden. Damit das möglich wird, erhalten die Patienten eine neoadjuvante Therapie, zum Beispiel auf Basis von Irinotecan.

CT-Aufnahme mit Kontrastmittel von drei Metastasen in der Leber. Eine neoadjuvante Chemotherapie kann solche Metastasen schrumpfen lassen. Foto: Dr. Uwe Ritzel

Etwa 60 Prozent der Patienten mit Darmkrebs leben nach der Resektion von Lebermetastasen noch fünf Jahre, wenn sie keine Risikofaktoren für eine weitere Metastasierung haben.

"Es sollte deshalb unbedingt versucht werden, Lebermetastasen unmittelbar im Anschluß an die Diagnose oder nach adjuvanter Vorbehandlung operativ zu entfernen", so Dr. Gunnar Folprecht aus Dresden bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Leipzig.

Für die neoadjuvante Therapie eignet sich nach derzeitiger Studienlage eine Dreifachkombination mit Zytostatika, wie sie auch zur primären Chemotherapie bei metastasiertem Dickdarm-/Mastdarmkrebs angewendet wird. Das Therapieschema heißt FOLFIRI und enthält den Topoisomerase-I-Hemmer Irinotecan (Campto®) in Kombination mit 5-Fluorouracil als Dauerinfusion plus Folinsäure.

"Mit FOLFIRI konnte etwa jeder dritte Patient mit zuvor nicht resezierbaren Lebermetastasen doch noch operiert werden", sagte Folprecht. Bei jedem zweiten Patienten wurde mit der Chemotherapie eine zumindest teilweise Rückbildung der Lebermetastasen erzielt, wie Folprecht bei einer von Pfizer organisierten Veranstaltung berichtete.

Weitere Verbesserungen in der Therapie bei fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom erwartet Folprecht durch neue Schemata für die Erst-, Zweit- und Drittlinientherapie. Er favorisiert als erste Option ebenfalls das FOLFIRI-Schema, eventuell in Kombination mit dem Antikörper Bevacizumab. FOLFIRI sei eine bewährte, wirksame und verträgliche Therapie, die auch Patienten mit schlechtem Allgemeinbefinden angeboten werden könne.

Bei fortschreitender Erkrankung sei Irinotecan in Kombination mit dem Antikörper Cetuximab eine geeignete Zweitlinientherapie, so Folprecht. Als Drittlinientherapie folgt bei diesem Vorgehen ein Oxaliplatin-haltiges Regime.

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