Ärzte Zeitung App, 14.10.2014

Langzeitstudie

Gesunder Lebensstil verringert Darmkrebs-Risiko

POTSDAM-REHBRÜCKE. Wer nicht übergewichtig ist, nicht raucht, Alkohol nur in Maßen konsumiert, körperlich aktiv ist und sich gesund ernährt, hat ein um etwa ein Drittel vermindertes Risiko, an Dickdarm- oder Mastdarmkrebs zu erkranken.

Das ist ein Ergebnis der großen europäischen Langzeitstudie (EPIC) mit über 347.000 erwachsenen Teilnehmern, berichten Forscher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) (BMC Medicine 2014, 12:168).

Eine gesunde Ernährung wird dabei als Kost mit vergleichsweise viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, reichlich Nüssen und Samen sowie ausreichend Fisch und Jogurt definiert. Wenig gegessen werden sollten rotes Fleisch und Wurstwaren.

Neu an der aktuellen Studie ist nun, dass sie erstmals die kombinierten Effekte von fünf gesundheitsfördernden Lebensstilmerkmalen auf das Darmkrebsrisiko in einer europäischen Bevölkerungsgruppe untersucht hat.

Die Wissenschaftler stuften dabei folgende Merkmale als risikosenkend ein: Nichtraucher zu sein, Alkohol nur in einem moderaten Maß zu trinken, ein normales Körpergewicht zu haben, wobei der Taillenumfang von Frauen kleiner als 80 cm und der von Männern kleiner als 94 cm sein sollte, körperlich aktiv zu sein sowie sich gesund zu ernähren.

Wie die Untersuchung zeigt, hatten Studienteilnehmer, die zwei der gesundheitsfördernden Merkmale aufwiesen, im Vergleich zu Personen, auf die kein oder nur ein günstiges Lebensstilmerkmal zutraf, ein um 13 Prozent verringertes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Wiesen die Teilnehmer drei der untersuchten Merkmale auf, sank ihr Erkrankungsrisiko um 21 Prozent, wobei sich bei vier Merkmalen ihr Risiko sogar um 34 Prozent verringerte. Kamen alle fünf Merkmale zusammen, sank das Risiko um 37 Prozent.

Studie mit 519.000 Teilnehmern

"Wie unsere Ergebnisse zeigen, verringert sich das Darmkrebsrisiko umso mehr, je mehr man etwas für seine Gesundheit tut. Unsere Daten haben ergeben, dass durch eine gesunde Lebensführung bis zu 22 Prozent der Darmkrebs-Neuerkrankungen bei Männern bzw. bis zu 11 Prozent der Erkrankungen bei Frauen vermeidbar wären", sagt Krasimira Aleksandrova vom DIfE, die Erstautorin der Studie.

"Das Umsetzen dieses Wissens in gesellschaftlich aktiv unterstützte Präventionsstrategien könnte wesentlich dazu beitragen, ein frühes und häufiges Auftreten dieser Krebsform zu vermeiden und damit viel persönliches Leid zu verhindern", ergänzt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht.

An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

Die aktuellen Studienergebnisse basieren auf den Daten von 347.237 Frauen und Männern im Alter zwischen 25 und 70 Jahren. Während der Nachbeobachtungszeit von 12 Jahren erkrankten 3.759 dieser Teilnehmer an Darmkrebs. (dpa)

[21.10.2014, 15:58:13]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Auch bei der 'dpa' besteht die Kunst wieder mal im 'Weglassen'!
Bei Männern liegt der Normalbereich bei einem Body Mass Index zwischen 20 und 25, bei Frauen zwischen 19 und 24. Das entspricht bei männlichen Personen mit 1,90 Meter Größe einem Körpergewicht von gut 71 kg bis 89 kg; bei weiblichen Personen und 1,70 Meter Größe knapp 57 kg bis 71 kg. Von einem deutlich erhöhten Taillenumfang spricht man bei Frauen ab 88 cm und bei Männern ab 102 cm. Als erhöht gilt der Umfang ab 80 cm für Frauen und ab 94 cm für Männer.

In der oben referierten Studie schweigt sich das Autorenteam aus immerhin 43 europäischen Forschungseinrichtungen ausgerechnet zum e n t s c h e i d e n d e n Problem aus und schreibt sybillinisch: "Among the study population, 203,595 (59%) participants had BMI and waist circumference within the recommended range, 179,787 (52%) had high physical activity, 264,153 (76%) were non-smokers (among these, 63% had never smoked and 37% were former smokers)...".

Aber es kommt noch schlimmer: "251,523 (72%) had alcohol intake within the recommended limits, and 208,562 (60%) had a healthy diet as assessed by the dietary quality index. The participants having a higher HLI [healthy lifestyle index] were more likely to be women and tended to have a higher educational level. Each healthy lifestyle factor was associated with a reduction in CRC [colorectal cancer] risk after taking age, sex, educational status and the remaining lifestyle factors into account".

Mit anderen Worten: Hier wurden überwiegend kaum Alkohol trinkende, ständig Obst, Gemüse und Salat knabbernde, niemals über die Stränge schlagende, nichtrauchende und bewegungsaktive "Gesundheitsapostel" europaweit gefunden, die in der Öffentlichkeit postindustrieller Gesellschaften wie ausgemergelte Gazellen mit ihren Wespentaillen durch die Straßen hetzen, um den übergewichtig bräsig vollgefressenen und saturierten "Couchpotatoes" zu zeigen, dass man beim Zusammenstoß mit anderen Verkehrsteilnehmern genauso schnell sterben kann, wie an Darmkrebs. Dass gegenüber dieser gertenschlank auffälligen Bevölkerungsgruppe alle anderen mit ihrem erhöhten Krebsrisiko viel häufiger an Tumorerkrankungen leiden, liegt auf der Hand.

Und ich bleibe dabei: "prospektiv" ist bei EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) ein glatter Euphemismus - es handelt sich in Wahrheit um eine simple "Follow-up-Studie"! Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bzw. allgemeine Verhaltensweisen wurden durch detaillierte ex-post Fragebögen unsystematisch rein r e t r o s p e k t i v und eben n i c h t prospektiv erfasst. Aspekte der sozialen Erwünschtheit ("social desirability") von Antworten und vorgefassten Meinungen wurden gar nicht ernsthaft geprüft. Im zeitlichen Verlauf wurden dann von verschiedenen Studiengruppen höchst unterschiedliche, spekulative Hypothesen vorformuliert, um sie an Hand von völlig invalidem Datenmaterial verifizieren zu wollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler FAfAM Dortmund
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