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Neuerliche Darmpolympen verhindern

Kalzium hat nicht nur vorbeugende Wirkung

Die Nahrungsergänzung mit Kalzium, nach Adenomentfernung im Kolorektum allein oder mit Vitamin D zur Vorbeugung weiterer Polypen, hat womöglich langfristig nicht beabsichtigte Konsequenzen.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:

CHAPEL HILL. Studien zur Prophylaxe kolorektaler Adenome und Polypen mit zusätzlich zur Nahrung gegebenem Kalzium und Vitamin D haben eine ebenso lange wie wechselvolle Geschichte.

Der Gastroenterologe Seth Crockett von der University of North Carolina School of Medicine fordert nun zusammen mit Kollegen dazu auf, den Blick von den konventionellen Adenomen ab- und den serratierten Polypen zuzuwenden (Gut 2018; online 1. März).

"Angesichts der biologischen Differenzen zwischen serratierten Polypen und konventionellen Adenomen ist es plausibel, dass sie unterschiedlich auf chemopräventive Agenzien reagieren", notieren die Forscher.

Unter serratierten Polypen verstehen sie hyperplastische Polypen (zusätzlich zu zwei oder mehr fortgeschrittenen Vorläuferläsionen), traditionelle serratierte Adenome und sessile serratierte Adenome oder Polypen.

Studie mit 2058 Teilnehmern

Anhand von Teilnehmerdaten der Vitamin D/Kalzium Polyp Prevention Study untersuchten die Ärzte um Crockett die Auswirkungen von Kalzium (1200 mg/d) plus Placebo, Vitamin D3 (1000 IU/d) plus Placebo, Kalzium plus Vitamin D und von Placebo allein auf die Entwicklung serratierter Polypen und speziell sessiler serratierer Adenome/Polypen, der häufigsten prämalignen serratierten Läsionen im Darm.

Beteiligt waren 2058 Patienten, denen man ein oder mehrere Adenome entfernt hatte und die sich den genannten Therapieregimen drei bis fünf Jahre lang – bis zur nächsten Kontrollkoloskopie – unterwerfen sollten.

Es folgte eine Nachbeobachtungsphase von ebenfalls drei bis fünf Jahren ohne Supplementation. Die Forscher gewannen so einen Überblick über einen Zeitraum von sechs bis zehn Jahren ab Beginn der Gabe von Kalzium, Vitamin D beziehungsweise Placebo.

Während der Supplementationsphase wurden bei 565 von 2058 Teilnehmern (28 Prozent) serratierte Polypen gefunden, 100 davon hatten sessile serratierte Adenome/Polypen.

In der Nachbeobachtungsphase war dies bei 329 von (noch untersuchten) 1108 Teilnehmern der Fall, hiervon 62 mit sessilen serratierten Adenomen/Polypen. Die übrigen serratierten Polypen fielen unter die Kategorie "hyperplastisch".

Erhöhtes Risiko bei Rauchern

Ein Effekt unter der Supplementation auf die Entwicklung serratierter Polypen oder hyperplastischer Polypen beziehungsweise sessiler serratierter Adenome/Polypen war – außer für Kalzium schluckende Raucher, die ein höheres Risiko hatten – nicht festzustellen.

Kalzium und/oder Vitamin D hatten auch keinen Einfluss auf das Risiko für serratierte Polypen insgesamt oder hyperplastische Polypen während der Nachbeobachtungsphase. Für Vitamin D galt dies auch mit Blick auf die Entstehung sessiler serratierter Adenome/Polypen.

Studienteilnehmer, die Kalzium zu sich genommen hatten, wiesen allerdings ein erhöhtes Risiko für sessile serratierte Läsionen in der Nachbeobachtung auf, das um Einflussfaktoren bereinigte relative Risiko lag 2,7-fach höher als bei Probanden ohne Kalzium.

Auch die Kombination von Kalzium und Vitamin D schlug gegenüber Placebo mit einer Steigerung des Risikos für sessile serratierte Adenome/Polypen um den Faktor 3,8 zu Buche. Raucher waren hier ebenfalls stärker betroffen, aber auch Frauen.

"Wir haben im Zuge dieser Präventionsstudie Hinweise gefunden, dass eine Kalziumsupplementation beziehungsweise ein Zusatz von Kalzium und Vitamin D das Risiko für serratierte kolorektale Polypen, besonders für sessile serratierte Adenome/Polypen, im späteren Follow-up erhöhen könnte", resümieren die Forscher.

Das stehe im Gegensatz zur Situation bei konventionellen Adenomen, wo diese Interventionen in der vorliegenden und anderen Studien keine oder sogar eine protektive Wirkung gehabt hätten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Prävention mit Nebeneffekt

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