Ärzte Zeitung, 26.01.2011

Risikofaktor für Multiples Myelom identifiziert

HOMBURG/SAAR (eb). Die Arbeitsgruppe um Professor Michael Pfreundschuh und Dr. Sandra Grass am Universitätsklinikum Homburg/Saar hat den ersten molekularen Risikofaktor für das Plasmozytom (Multiples Myelom) identifiziert.

Bei Risikopatienten liegt eine Veränderung im Erbgut vor, die dazu führt, dass das Eiweißmolekül Paratarg-7 in abgewandelter Form synthetisiert wird.

Das Protein Partag-7 scheint ein gefährliches Immunstimulans zu sein. Die Arbeitsgruppe um Grass und Pfreundschuh konnte nun erstmals zeigen, dass bei etwa 15 Prozent der untersuchten Plasmozytom-Patienten in Deutschland Antikörper vorliegen, die spezifisch gegen dieses Eiweiß gerichtet sind.

Weitere Untersuchungen haben ergeben, dass bei Plasmozytom-Patienten das Paratarg-7 gegenüber dem gesunder Personen verändert ist: Es trägt eine zusätzliche Phosphatgruppe. Für Träger dieses Eiweißes besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Plasmozytom zu erkranken.

Familienanalysen belegen darüber hinaus, dass Menschen mit einem veränderten Paratarg-7-Molekül diese Eigenschaft dominant vererben. Damit liefern die Ergebnisse der Homburger Mediziner auch eine Erklärung für das familiär gehäufte Auftreten von Plasmozytomen.

Die Arbeitsgruppe will nun untersuchen, ob sich entsprechende Ergebnisse auch bei anderen ethnischen Gruppen, etwa bei Afrikanern oder Japanern, finden (Cancer Sci. online).

Zudem wollen die Mediziner klären, ob Paratarg-7 auch bei ähnlichen Blutkrebsformen, zum Beispiel dem Immunozytom (Morbus Waldenström), von Bedeutung ist (Blood online). Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 130.000 Euro.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die Notfall-Probleme „an der Wurzel packen“

Gesundheitsminister Spahn stellt Details seiner Umbaupläne für die Notfallversorgung vor. Die zahlreichen Reaktionen zeigen, wie viele Interessen es bei dem Thema gibt. mehr »

„Wir müssen die Hamsterräder anhalten“

Es gibt in Deutschland ausreichend Ärzte, findet Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uni in Frankfurt. Welche Kernprobleme er sieht und wie die Versorgung verbessert werden kann, verrät er im Interview. mehr »

Thermometer aus der Blase gezogen

Mitunter verschwinden Gegenstände versehentlich in der Blase, manche stecken sich bewusst Besenstiele oder Fische ins Organ. Urologen konnten nun ein Thermometer über die Harnröhre eines Mannes entfernen – ganz ohne Op. mehr »