Ärzte Zeitung, 16.01.2012

Rätsel um Imatinib-Resistenz gelöst

Forscher haben einen neuen Mechanismus entdeckt, wie Krebszellen bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) Imatinib-resistent werden. Das könnte künftige Therapiestrategien beeinflussen.

Rätsel um Imatinib-Resistenz gelöst

Blastenkrise einer chronisch myeloischen Leukämie (CML).

© Stacy Howard / CDC

MARBURG (ple). Marburger Ärzte analysierten Knochenmarkzellen von CML-Patienten mit einer guten molekularen Remission (MMR), die in ihrem Erbgut das krebsauslösende Gen BCR-ABL trugen.

Die Ärzte um Professor Andreas Burchert vom Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Immunologie der Philipps-Universität Marburg stellten fest, dass diese Zellen Imatinib erstaunlicherweise eher widerstehen, wenn sie nur geringe Mengen des BCR-ABL-Proteins synthetisieren, als wenn dessen Konzentration hoch ist: Sie überleben den Imatinib-Angriff nicht nur nach einer Langzeittherapie, sondern bereits drei Monate nach Imatinib-Therapie (Blood 2011; online 12. November).

Warum verringerte BCR-ABL-Mengen für Imatinib-Resistenz sorgen, ist noch unklar. Überlebende Zellen sind offenbar genetisch stabiler. Und: Trotz der geringen BCR-ABL-Synthese sind die Krebszellen noch von diesem onkogenen Signalübertragungsweg abhängig.

Unkontrollierte Zellteilung

Imatinib hemmt bekanntlich die Aktivität jenes Enzyms, einer Tyrosinkinase, deren Bauplan im BCR-ABL-Gen abgelegt ist. Folge der Aktivität dieses Enzyms ist die unkontrollierte Zellteilung. Mitunter können Krebszellen jedoch resistent dagegen werden, sodass es zu Rückfällen kommt.

"Die biologischen und genetischen Kennzeichen überlebender Krebszellen sind bislang weitgehend unbestimmt geblieben", wird Burchert in einer Mitteilung der Universität in Marburg zitiert.

Die Forscher fanden zum einen heraus, dass eine Behandlung mit Imatinib die Zahl jener Krebszellen vermindert, die das BCR-ABL-Protein synthetisieren. Vor allem aber: Die überlebenden Zellen wiesen weniger BCR-ABL-Genprodukte auf als Zellen zum Zeitpunkt der ersten Leukämie-Diagnose.

Niedrige BCR-ABL-Syntheserate in Zellen sprach weniger auf Imatinib an

Die Wissenschaftler gingen diesem Befund experimentell weiter auf den Grund, indem sie Knochenmarkzellen von Mäusen genetisch so veränderten, dass sie nur wenig BCR-ABL-Moleküle synthetisierten. Tatsächlich sprachen die veränderten Zellen weniger auf Imatinib an als Zellen mit hoher BCR-ABL-Syntheserate.

"Unsere Befunde könnten Bedeutung für künftige Behandlungsstrategien bei chronischer myeloischer Leukämie haben", wird Burchert in der Mitteilung zitiert .

BCR steht für "break point cluster region", ABL für "Abelson" als Hinweis auf das "Abelson Leukaemia Virus ". Das Gen für das Enzym BCR-ABL entsteht aus der Fusion der Gene BCR auf Chromosom 22 und ABL auf Chromosom 9. Imatinib und andere Tyrosinkinase-Hemmer binden an eine bestimmte Stelle des Eiweißmoleküls und hemmen so die Aktivität dieses Enzyms.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »