Ärzte Zeitung, 21.07.2006

Frauen mit Brustkrebs profitieren von Mistellektin

Studie mit 350 Brustkrebs-Patientinnen / Weniger Depressionen, mehr Appetit und sexuelles Interesse

ST. PETERSBURG (ner). Die Lebensqualität von Brustkrebs-Patientinnen kann mit einem Mistelpräparat, das zusätzlich zur Chemotherapie verabreicht wird, signifikant verbessert werden. Das ist jetzt in einer prospektiven Studie bestätigt worden.

In der doppelblinden und randomisierten Studie hatten 352 Brustkrebs-Patientinnen während der Chemotherapie mit vier bis sechs Zyklen des CMF-Schemas (Cyclophosphamid, Methotrexat, 5-Fluorouracil) entweder 15 Nanogramm aktives Mistellektin (0,5 ml Lektinol®) zweimal wöchentlich subkutan oder ein Scheinpräparat erhalten.

Die Therapie wurde bis acht Wochen nach Ende der Chemotherapie fortgesetzt, wie Professor Vladimir F. Semiglazov vom Petrov-Forschungsinstitut für Onkologie in St. Petersburg in Rußland und seine Kollegen berichten (Anticancer Research 26, 2006, 1519).

Die Lebensqualität der Frauen war mit der FACT-G-Skala (Functional Assessment of Cancer Therapy - General) sowie weiteren Skalen erfaßt worden, die auf detaillierten Befragungen der Patientinnen basieren. Die Skala umfaßt drei Subskalen mit jeweils 24 bis 28 Punkten. In der Verum-Gruppe verbesserte sich der Gesamtwert um durchschnittlich 4,4 Punkte, in der Placebo-Gruppe sank er dagegen um 5,11 Punkte. Dieser Unterschied war signifikant.

Auch bei allen anderen Zielparametern traten zu allen Meßzeitpunkten signifikante Unterschiede zugunsten der Mistellektin-Behandlung auf: Vor allem waren die Patientinnen in der Verum-Gruppe weniger müde, hatten weniger Depressionen oder Angst vor der Chemotherapie, und sie hatten mehr Appetit oder mehr sexuelles Interesse.

Abgesehen von leichten Lokalreaktionen an der Einstichstelle bei knapp 18 Prozent der Studienteilnehmerinnen wurde das Präparat gut vertragen. Die Studie bestätigt Ergebnisse einer früheren prospektiven Untersuchung mit dem Präparat zur Dosisfindung.

Für Mistellektin sind immunmodulatorische Effekte nachgewiesen worden: Es trägt dazu bei, daß vermehrt Zytokine ausgeschüttet und T-Killerzellen aktiviert werden. Zudem wurde in mehreren Studien in vitro und in vivo eine verminderte Tumorzell-Proliferation beobachtet.

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