Ärzte Zeitung, 15.02.2010

Antidepressivum blockt Tamoxifen bei Brustkrebs

NEU-ISENBURG (eis). Werden Brustkrebs-Patientinnen gleichzeitig mit Tamoxifen und dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Paroxetin behandelt, dann haben sie ein erhöhtes Sterberisiko, berichten kanadische Forscher. Sie haben die Krankengeschichten von 2430 Patientinnen mit Mammakarzinom analysiert (BMJ 340, 2010, c693). Alle Frauen waren mit Tamoxifen behandelt worden, etwa jede dritte Frau zusätzlich mit einem Antidepressivum, die meisten davon mit Paroxetin.

Ergebnis: Nur für Tamoxifen plus Paroxetin -  und für keinen anderen SSRI - ergab sich ein erhöhtes Sterberisiko. Wurde zum Beispiel Paroxetin 41 Prozent der Zeit der Tamoxifen-Therapie eingenommen, dann gab es binnen fünf Jahren pro 20 Patientinnen einen zusätzlichen Brustkrebs-Todesfall. Um zu wirken, muss Tamoxifen in der Leber durch Enzyme des Cytochrom-P450-Systems in den aktiven Metaboliten Endoxifen umgewandelt werden. Dieser Prozess wird durch Paroxetin gestört.

Beide Medikamente sollten nicht zusammen verordnet werden, heißt es in einem Kommentar zu der Studie (BMJ 340, 2010, c783). Vor einem abruptem Absetzen einer SSRI-Therapie wird allerdings gewarnt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »