Ärzte Zeitung, 16.10.2012

Frühdiagnose

Bluttest spürt Brustkrebs auf

Ob jemand Brustkrebs hat, lässt sich offenbar schon früh im Blut nachweisen. Eine Studie zeigt: Bei erkrankten Patientinnen ist die Konzentration von vier bestimmten RNA-Molekülen erhöht.

Von Peter Leiner

Bluttest spürt Brustkrebs auf

Blutabnahme: Gibt es bei der Patientin Hinweise auf das Vorliegen von Brustkrebs?

© BVMed-Bilderpool

HEIDELBERG. Unter anderem Heidelberger Forscher haben mit ihrer Entdeckung den Grundstock für einen ergänzenden Test zur Früherkennung von Brustkrebs gelegt (Int. J. Cancer 2012; online 14. September).

Sie prüften das Blut von 127 noch unbehandelten Patientinnen mit Brustkrebs und von 80 gesunden Frauen auf den Nachweis von 16 verschiedenen Mikro-RNA-Molekülen (miRNA), die in unterschiedlichen Konzentrationen vorlagen.

Die Nukleinsäuremoleküle sind zwischen 18 und 25 RNA-Bausteine lang, enthalten keinen Bauplan von Proteinen, sondern regulieren die Aktivität von Genen.

Die Moleküle sind im Plasma erstaunlich stabil und besitzen wie bei anderen Tumoren, etwa Prostata- oder Kolorektal-Ca, bei Brustkrebs ein charakteristisches Expressionsmuster. Da sie bei der Entstehung von Krankheiten von Bedeutung sind, interessieren sich immer mehr Diagnostikaforscher für sie.

Für ihre Biomarkerstudien legten die Wissenschaftler erstmals bestimmte statistische Voraussetzungen für die miRNA-Moleküle fest, die diese erfüllen mussten, damit sie für einen standardisierten Früherkennungstest genutzt werden können.

Konzentration von vier RNA-Molekülen erhöht

Von den 16 Molekülen der Ausgangsgruppe blieben in der Studie schließlich vier übrig, die die Bedingungen erfüllten: miR-148b, miR-376c, miR-409-3p und miR-801.

Die Konzentration dieser vier RNA-Moleküle im Blut ist bei Patientinnen im Vergleich zu Gesunden signifikant erhöht. Und das Besondere: Bisher wurden diese Moleküle zwar bei anderen Tumorarten nachgewiesen, aber nicht in Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs gebracht.

Das diagnostische Potenzial schätzten die Wissenschaftler um Katarina Cuk vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg auf der Basis der ROC-Kurve ab. Das Akronym steht für "Receiver Operating Characteristic". Bestimmt wird dabei die Fläche unter der Sensitivitäts-/Spezifitätskurve.

Beträgt der Wert 0,5, ist ein entsprechender Test nutzlos, weil nicht zwischen "krank" und "nicht krank" unterschieden werden kann. In der Heidelberger Studie lagen die Werte für die einzelnen RNA-Moleküle zwischen 0,64 und 0,66.

Der höchste Wert und damit das höchste Unterscheidungspotenzial wurde mit 0,69 durch die Kombination der drei Moleküle miR-148b, miR-409-3p und miR-801 erzielt.

Mit Hilfe der verschiedenen miRNA-Moleküle lässt sich zwar erkennen, ob ein Patient Krebs hat, allerdings ist noch immer unklar, woher diese Moleküle eigentlich kommen und wie sie ins Blut gelangen. Bisherigen Erkenntnissen zufolge sieht es so aus, dass die RNA-Moleküle in den Tumoren sich von denen im peripheren Blut unterscheiden.

Nebenprodukte sterbender Tumorzellen?

Zudem zeigten die Moleküle in der aktuellen Studie in Plasma und Blut gegensätzliche Expressionsmuster.

Spekuliert wird auch, dass diese Moleküle Nebenprodukte sterbender oder abgestorbener Tumorzellen sind und daher vorrangig im Plasma zirkulieren. Andere Forscher glauben, dass einige dieser Moleküle aus Zellen des Blutes stammen und als Reaktion auf eine antitumorale Immunantwort entstehen.

Quelle: www.springermedizin.de

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