Direkt zum Inhaltsbereich

Frühdiagnose

Bluttest spürt Brustkrebs auf

Ob jemand Brustkrebs hat, lässt sich offenbar schon früh im Blut nachweisen. Eine Studie zeigt: Bei erkrankten Patientinnen ist die Konzentration von vier bestimmten RNA-Molekülen erhöht.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Blutabnahme: Gibt es bei der Patientin Hinweise auf das Vorliegen von Brustkrebs?

Blutabnahme: Gibt es bei der Patientin Hinweise auf das Vorliegen von Brustkrebs?

© BVMed-Bilderpool

HEIDELBERG. Unter anderem Heidelberger Forscher haben mit ihrer Entdeckung den Grundstock für einen ergänzenden Test zur Früherkennung von Brustkrebs gelegt (Int. J. Cancer 2012; online 14. September).

Sie prüften das Blut von 127 noch unbehandelten Patientinnen mit Brustkrebs und von 80 gesunden Frauen auf den Nachweis von 16 verschiedenen Mikro-RNA-Molekülen (miRNA), die in unterschiedlichen Konzentrationen vorlagen.

Die Nukleinsäuremoleküle sind zwischen 18 und 25 RNA-Bausteine lang, enthalten keinen Bauplan von Proteinen, sondern regulieren die Aktivität von Genen.

Die Moleküle sind im Plasma erstaunlich stabil und besitzen wie bei anderen Tumoren, etwa Prostata- oder Kolorektal-Ca, bei Brustkrebs ein charakteristisches Expressionsmuster. Da sie bei der Entstehung von Krankheiten von Bedeutung sind, interessieren sich immer mehr Diagnostikaforscher für sie.

Für ihre Biomarkerstudien legten die Wissenschaftler erstmals bestimmte statistische Voraussetzungen für die miRNA-Moleküle fest, die diese erfüllen mussten, damit sie für einen standardisierten Früherkennungstest genutzt werden können.

Konzentration von vier RNA-Molekülen erhöht

Von den 16 Molekülen der Ausgangsgruppe blieben in der Studie schließlich vier übrig, die die Bedingungen erfüllten: miR-148b, miR-376c, miR-409-3p und miR-801.

Die Konzentration dieser vier RNA-Moleküle im Blut ist bei Patientinnen im Vergleich zu Gesunden signifikant erhöht. Und das Besondere: Bisher wurden diese Moleküle zwar bei anderen Tumorarten nachgewiesen, aber nicht in Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs gebracht.

Das diagnostische Potenzial schätzten die Wissenschaftler um Katarina Cuk vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg auf der Basis der ROC-Kurve ab. Das Akronym steht für "Receiver Operating Characteristic". Bestimmt wird dabei die Fläche unter der Sensitivitäts-/Spezifitätskurve.

Beträgt der Wert 0,5, ist ein entsprechender Test nutzlos, weil nicht zwischen "krank" und "nicht krank" unterschieden werden kann. In der Heidelberger Studie lagen die Werte für die einzelnen RNA-Moleküle zwischen 0,64 und 0,66.

Der höchste Wert und damit das höchste Unterscheidungspotenzial wurde mit 0,69 durch die Kombination der drei Moleküle miR-148b, miR-409-3p und miR-801 erzielt.

Mit Hilfe der verschiedenen miRNA-Moleküle lässt sich zwar erkennen, ob ein Patient Krebs hat, allerdings ist noch immer unklar, woher diese Moleküle eigentlich kommen und wie sie ins Blut gelangen. Bisherigen Erkenntnissen zufolge sieht es so aus, dass die RNA-Moleküle in den Tumoren sich von denen im peripheren Blut unterscheiden.

Nebenprodukte sterbender Tumorzellen?

Zudem zeigten die Moleküle in der aktuellen Studie in Plasma und Blut gegensätzliche Expressionsmuster.

Spekuliert wird auch, dass diese Moleküle Nebenprodukte sterbender oder abgestorbener Tumorzellen sind und daher vorrangig im Plasma zirkulieren. Andere Forscher glauben, dass einige dieser Moleküle aus Zellen des Blutes stammen und als Reaktion auf eine antitumorale Immunantwort entstehen.

Quelle: www.springermedizin.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

S3-Leitlinie Mammakarzinom

Brustkrebs: So viel Sport ist empfehlenswert

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

© jarun011 / stock.adobe.com

Chronische lymphatische Leukämie

Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Deprescribing PPI

Protonenpumpenhemmer absetzen: Wie das am besten gelingt

Patienten häufigste Täter

Medizinstudierende erleben sexuelle Belästigung vor allem im PJ

Hypercholesterinämie

Lipidsenker klug kombinieren

Lesetipps
Eine Ärztin spricht mit einer älteren Patienten. Die Patientin lächelt.

© StefaNikolic / stock.adobe.com

Sprechende Medizin

4 Tipps: So können Sie den Placebo-Effekt für die Therapie nutzen

Ein Arzt spricht mit einer Patientin

© K Davis/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview

Patient mit Mundgeruch: Wie Sie das im Patientengespräch ansprechen

Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und verschränkt ihre Arme, um ihre Hände auf die Brust zu legen.

© Yauhen / Stock.adobe.com

Psychologische Interventionen

Sprechende Medizin: 10 Schritte bei chronischen Schmerzen