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Brustkrebs-Screening: Kleinere Tumoren, nicht weniger Tote

Je mehr Frauen an einem Brustkrebs-Screening teilnehmen, desto mehr kleine Tumoren werden entdeckt. Das Ziel, die Zahl radikaler Operationen sowie die Mortalitätsraten zu senken, ist einer US-Studie zufolge jedoch bislang nicht erreicht.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Mammografie-Screening: Hierbei werden mehr kleinere Brusttumoren bis zu einer Größe von 2 cm entdeckt.

Mammografie-Screening: Hierbei werden mehr kleinere Brusttumoren bis zu einer Größe von 2 cm entdeckt.

© Klaus Rose

CAMBRIDGE. Ziel des Brustkrebs-Screenings ist es, die krankheitsspezifische Mortalität zu senken, indem Tumoren früh erkannt und behandelt werden.

Doch trotz positiver Studienergebnisse zum Nutzen der Mammografie kommen immer mehr Bedenken auf, dass sich das Gleichgewicht zwischen Nutzen und Risiken verschoben hat, nicht zuletzt aufgrund verbesserter Therapien.

Charles Harding und Kollegen von der Harvard University, Cambridge, haben die Zusammenhänge zwischen modernen Methoden des Mammografie-Screenings und der Brustkrebsinzidenz, der krankheitsspezifischen Mortalität und der Tumorgröße untersucht (JAMA Intern Med 2015; online 6. Juli).

 Im Rahmen einer ökologischen Studie haben die Autoren Daten von 16 Millionen Frauen ab 40 Jahren aus 547 US-Landkreisen unter anderem unter Zuhilfenahme des Krebsregisters analysiert. Die Frauen hatten in den zwei Jahren vor 2000 eine Mammografie durchführen lassen.

Beobachtung über zehn Jahre

Die Teilnahmeraten in den einzelnen Landkreisen lagen zwischen 39 und 78 Prozent.

53.207 der 55.809 Frauen, bei denen im Jahr 2000 eine Krebsdiagnose gestellt worden war, wurden über weitere zehn Jahre beobachtet.

Von den in diesem Zeitraum Verstorbenen erlagen 42,4 Prozent ihrem Brustkrebs. Der Tod von 57,6 Prozent hatte andere Ursachen.

Landesweit zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Screening-Aktivität der Frauen und der Brustkrebshäufigkeit. Eine um zehn Prozentpunkte höhere Nutzung des Mammografieangebots war mit relativen 16 Prozent mehr Brustkrebsdiagnosen assoziiert.

Einfluss auf die krankheitsspezifische Mortalitätsrate hatte die Screening-Beteiligung allerdings nicht.

Mehr kleine Tumoren entdeckt

Die Detailanalyse ergab, dass die höhere Screening-Beteiligung insbesondere im Zusammenhang mit einer steigenden Inzidenz kleiner Brusttumoren bis zu einer Größe von 2 cm stand.

Die Zahl der Tumoren über 2 cm war allerdings nicht gleichzeitig geringer. So wurden bei einem höheren Screening-Aufkommen von zehn Prozentpunkten 25 Prozent mehr kleine Tumoren (absolute Differenz: 26-40 Fälle mehr/100.000 Frauen) diagnostiziert sowie 7 Prozent größere (2-9/100.000).

Die Tatsache, dass mehr kleine Mammakarzinome entdeckt wurden, die Zahl der großen Tumoren bei erhöhtem Screening-Aufkommen aber nicht zurückging, könnte eine Erklärung dafür sein, dass sich bei der krankheitsspezifischen Gesamttodesrate keinerlei signifikante Erfolge abzeichneten, so Harding und Kollegen.

Der Haupteffekt des Brustkrebs-Screenings sei demzufolge eine weit verbreitete Überdiagnostik. Künftige Untersuchungen müssten klären, ob die Gefahr einer solchen Überdiagnostik für alle Frauen gleich sei.

Wie generell bei Screening-Untersuchungen, so die Autoren, sei der Nutzen gegenüber den Risiken wahrscheinlich dann am größten, wenn diejenigen mit hohem Risiko in vernünftigen Intervallen untersucht würden und statt sofortiger Therapie manchmal auch eine wachsame Beobachtungsphase gewagt würde.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kommentar zu Brustkrebs-Screening: Unsicherheiten aushalten!

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