Ärzte Zeitung online, 01.03.2017
 

Nebennierentumoren

Weniger Op's durch radioaktives Iod

Mehr als die Hälfte der Resektionen von Tumoren der Nebenniere sind unnötig. Radioaktives Iod könnte diese Zahl begrenzen.

WÜRZBURG. Tumoren in der Nebenniere lassen sich mit einem neuen nuklearmedizinischen Verfahren besser diagnostizieren und zielgerichtet behandeln, teilt die Universität Würzburg mit. Dies helfe, unnötige Op's zu vermeiden und Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen der Nebenniere wirksam zu behandeln.

"Nebennierentumoren gehören zu den häufigsten Tumoren des Menschen und sind meist harmlos", erinnert Professorin Stefanie Hahner, die sich am Uniklinikum Würzburg auf Erkrankungen der Nebenniere spezialisiert hat.

"Diese Tumoren bilden meistens keine Hormone und bleiben auf die Drüse begrenzt." Häufig würden sie zufällig bei einer CT oder MRT entdeckt. "Wir standen dann bislang vor der Frage, ob der Tumor bösartig ist und entfernt werden muss oder nicht", wird Hahner zitiert. In mehr als der Hälfte der Fälle stelle sich nachträglich heraus, dass der Tumor gutartig und die Op unnötig war.

Ein SPECT-Tracer, den der Würzburger Radiochemiker Dr. Andreas Schirbel hergestellt hat, soll dies in Zukunft verhindern. Dabei handelt es sich um ein radioaktives, mit Iod-123 markiertes Medikament.

"Iodmetomidat bindet an zwei nur in den Nebennieren vorhandenen Enzyme", so Hahner: "Das Mittel reichert sich deshalb nur in den Zellen der Nebenniere an." Mit der Untersuchung machen die Mediziner dies sichtbar.

In einem PET wird zusätzlich der Energiestoffwechsel der Tumoren untersucht. "Die Kombination der beiden Verfahren ermöglicht dabei eine für den Patienten sehr schonende Charakterisierung des Tumors und könnte helfen, unnötige Operationen zu vermeiden", wird Professor Matthias M. Weber, Leiter des Endokrinen und Neuroendokrinen Tumorzentrums der Universität Mainz, in der Mitteilung zitiert.

Ob die beiden Untersuchungen die Entscheidung über die Operation weiter verbessern, wird derzeit in einer europaweiten Studie geklärt.

Eine weitere Anwendung des neuentwickelten Iodmetomidat könnte der Einsatz als Strahlentherapeutikum bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs der Nebennieren sein. "Da Iodmetomidat ausschließlich in der Nebenniere angereichert wird, erzielen wir mit Iod-131 markiertem Iodmetomidat im Tumor eine sehr hohe Strahlendosis, während der Rest des Körpers verschont wird", so Hahner.

Diese "innere Bestrahlung" des Tumors wäre als Behandlung für die Patienten mit Nebennierenrindenkrebs sehr viel schonender als die bisher notwendige Chemotherapie und könnte durch den Einsatz einer weiteren in Würzburg entwickelten Substanz, das IMAZA, noch einmal deutlich verbessert werden.

Die Aufnahme dieses Radiopharmakons ist laut Hahner 10-fach höher als die von Iodmetomidat. Hahner und Weber hoffen daher, dass diese neuen nuklearmedizinischen Entwicklungen die Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit metastasiertem Nebennierenkarzinom in der Zukunft deutlich verbessern werden.(mmr)

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