Ärzte Zeitung, 28.06.2004

Bald neue Indikationen für Docetaxel bei Krebs

Taxan verlängert das Leben von Männern mit fortgeschrittenem Prostata-Ca / Erfolg bei adjuvanter Brustkrebstherapie

VITRY-SUR-SEINE (mut). Das Taxan Docetaxel hat sich bereits in der First-line-Therapie bei metastasierendem Mammakarzinom und beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom bewährt. In neuen Studien ließ sich mit der Substanz aber auch die Lebenszeit bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakrebs und bei Frauen in frühen Brustkrebsstadien verlängern. Daher wird für diese Indikationen bald eine Zulassung in Europa erwartet.

Bei Männern mit einem fortgeschrittenen Prostata-Karzinom ist eine Testosteron-Blockade oft die einzige wirksame Behandlung: Die Harnwegssymptome verringern sich, das Prostata-Volumen geht zurück, der PSA-Wert sinkt. Doch in der Regel wird der Tumor innerhalb von zwei Jahren resistent gegen diese Hormontherapie: Dann hilft bisher nur eine Chemotherapie, die die Lebensqualität der Patienten verbessert, nicht aber ihre Lebenszeit verlängern kann. Daran hat Dr. Luis Paz-Ares aus Madrid erinnert.

Mit einer Kombitherapie, die Docetaxel (Taxotere®) enthält, sei es in einer Studie nun gelungen, bei diesen Männern auch die Lebenszeit zu verlängern. Die Daten der Studie wurden vor kurzem auf dem US-Onkologenkongreß ASCO vorgestellt (wir berichteten). In der Studie wurde die Wirksamkeit von Docetaxel plus Prednison mit der Standard-Chemotherapie Mitoxantron plus Prednison verglichen.

Über 1000 Männer, die auf eine Hormontherapie nicht mehr ansprachen, nahmen an der Studie teil. Das Ergebnis: Mit der Mitoxantron-Therapie lebten die Männer im Schnitt noch knapp 16,5 Monate, mit der Docetaxel-Kombination dagegen noch 19 Monate - das sind 24 Prozent mehr. Auch der PSA-Wert sank mit Docetaxel stärker und die Schmerzen gingen deutlicher zurück als mit der Standardtherapie, sagte Paz-Ares auf einer Veranstaltung von Aventis in Vitry-sur-Seine bei Paris.

Als Konsequenz aus der Studie hat die US-Behörde FDA die Docetaxel-Prednison-Kombination bei Männern mit androgen-unabhängigem Prostatakarzinom zugelassen. Die entsprechende Zulassung für Europa ist bereits beantragt. Nun wird die Substanz auch zur adjuvanten Therapie bei frühen Prostatakrebs-Stadien geprüft, bei denen ein hohes Rezidivrisiko besteht, sowie bei Männern mit Androgen-resistentem, aber nicht metastasiertem Prostata-Karzinom, sagte Paz-Ares.

Eine ähnliche Prüfung hat das Zytostatikum bereits bei 1500 Frauen mit operablem Brustkrebs und Befall der axillären Lymphknoten bestanden, die sich in einem frühen Krankheitsstadium befanden. Docetaxel wurde zusammen mit Cyclophosphamid und Doxorubicin gegen die Standard-Therapie 5-Fluorouracil (FU) plus Cyclophosphamid plus Doxorubicin getestet. Mit der 5-FU-Kombination lebten nach fünf Jahren noch 81 Prozent der Frauen, mit der Docetaxel-Kombination jedoch 87 Prozent, so Professor Angelo Bianco aus Neapel. Auch für diese Indikation ist nun eine Zulassung für die Docetaxel-Kombination beantragt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis wurden erneut exzellente deutsche pharmakologische Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »