Ärzte Zeitung online, 10.12.2018

Männermedizin

Prostatakrebs bei jungen Männern immer früher entdeckt

Im Vergleich zu den 1990er Jahren wird heute das Prostatakarzinom bei Männern unter 50 Jahren bereits in früheren Stadien diagnostiziert. Das lassen zumindest aktuelle Studienergebnisse vermuten.

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Prostatakarzinom: In einer Studie wurde bei 65,5 Prozent der Männer unter 50 Jahren der Krebs bereits im Stadium 1 entdeckt.

© decade3d / Getty Images / iStock

DARLINGHURST. Wie hat sich in den vergangenen zwei Dekaden in den Zeiten der PSA-Anwendung das klinische Bild diagnostizierter Prostatakarzinome und das Therapieergebnis bei jungen Männern verändert?

Dieser Frage sind Forscher um Dr. Ilan Gielchinsky vom Garvan Institute of Medical Research/The Kinghorn Cancer Centre in Darlinghurst in Australien nachgegangen.

Zwischen 1994 und 2017 sind am St. Vincent’s Hospital in Sydney insgesamt 14.570 Männer mit einem Prostatakarzinom behandelt worden. Anhand der Befunde haben die Forscher um Gielchinsky Diagnostik und Therapie bei den jungen Patienten unter 50 analysiert (BJU International 2018; online 10. Oktober).

Den Ärzten standen dafür die Daten von 432 Männern zur Verfügung, die in der PSA-Ära medizinisch versorgt worden waren.

Anhand der D’Amico-Risikostratifizierung teilten sie die Patienten in drei Risikogruppen ein, das heißt nach PSA-Wert und Gleason-Score in die Gruppen mit niedrigem (n = 192), intermediärem (n = 183) und hohem Risiko (n = 57). Das entspricht einem Anteil von 44 Prozent, 42 Prozent und 13 Prozent. 39,1 Prozent der Studienteilnehmer hatten eine positive Familienanamnese.

Wie die Ärzte berichten, wurden die meisten Männer (65,5 Prozent) bereits im Stadium I der Krebserkrankung diagnostiziert und 30 Prozent im Stadium II. Nur 2 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen. Bei der Mehrzahl der Patienten, nämlich bei mehr als 78 Prozent, wurde eine radikale Prostatektomie vorgenommen.

Fünf Jahre später lag die biochemische Rezidivrate in der Niedrigrisikogruppe bei 7,8 Prozent, bei Männern mit intermediärem Risiko bei 15,3 Prozent und in der Hochrisikogruppe bei 23,3 Prozent. Zum Vergleich: Die Raten lagen bei Studienteilnehmern über 60 in einer historischen Vergleichsgruppe deutlich höher, nämlich bei 9,7 Prozent, 21,7 Prozent und 50 Prozent.

Eingeschränkte Aussagekraft der Studienergebnisse

Bei insgesamt 74 Männern mit Niedrigrisikokarzinom der Prostata hatten sich die Ärzte für eine aktive Überwachung entschieden. Nur 13 Männer (17,6 Prozent) mussten sich nach einem medianen Follow-up von 46 Monaten einer radikalen Op unterziehen.

Dabei unterschied sich das Ergebnis der pathologischen Untersuchung in dieser Gruppe nicht von dem bei Männern, die sofort operiert worden waren. Das Augenmerk in der Untersuchung galt dabei dem Schnittrand, dem Tumorvolumen und den von dem Eingriff betroffenen Samenbläschen.

In einem medianen Beobachtungszeitraum von 65 Monaten starben nur zwei Männer (0,4 Prozent) an den Folgen der Krebserkrankung.

Für Gielchinsky und seine Kollegen ist aufgrund dieser Studienergebnisse klar, dass die Verwendung des PSA-Screenings und die erhöhte Wachsamkeit der Patienten dazu beigetragen haben, dass ihre Krebserkrankung frühzeitig entdeckt und somit möglicherweise der Therapieerfolg verbessert wurde.

Die Aussagekraft der Studienergebnisse wird dadurch eingeschränkt, dass die Teilnehmer nur in einer einzigen Klinik behandelt wurden. In diesem Zentrum wird seit Jahren der Schwerpunkt der Behandlung von Männern mit einem Prostatakarzinom auf die Operation und die aktive Überwachung gelegt.

Darüber hinaus stammten die Daten für den Vergleich zur Situation bei älteren Patienten ausschließlich aus publizierter wissenschaftlicher Literatur. (ple)

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