Ärzte Zeitung, 22.04.2012

Reizdarm? Glutenfrei versuchen

WIESBADEN (eb). Patienten mit Reizdarmsymptomen probatorisch glutenfreie Diät zu verordnen - das lohnt sich selbst dann, wenn keine Sprue nachweisbar ist: Denn bei manchen gehen so die Beschwerden zurück.

Bei Reizdarm ist glutenfreie Kost einen Versuch wert

Glutenverzicht kann für Reizdarmpatienten sinnvoll sein.

© dpa

Offenbar existiere das Phänomen einer Nicht-Zöliakie-Gluten-Intoleranz, die sich als Reizdarmsyndrom manifestieren könne. Allerdings verstehe man deren Pathomechanismus noch nicht, erläutert Professor Peter Layer im Handbuch zum Gastro Update in Wiesbaden.

Seinen Diätvorschlag stützte er auf eine Expositionsstudie, die den Effekt einer Glutenabstinenz bestätigt (Am J Gastroenterol 2011; 106: 508).

Bei den Teilnehmern - Reizdarm-Patienten ohne diagnostizierbare Zöliakie - hatten sich die Symptome bei glutenfreier Ernährung gebessert. Nun erhielten sie sechs Wochen lang zusätzlich zur glutenfreien Kost doppelblind Brot und Muffins entweder mit oder ohne Gluten.

Umstellung zeitlich begrenzt

Währenddessen notierten die US-Forscher die Symptome und bestimmten die Marker für intestinale Entzündung und Immunaktivierung, berichtete der Gastroenterologe vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg.

68 Prozent der Teilnehmer mit Gluten berichteten über eine Verschlechterung oder über ein Rezidiv, dagegen nur 40 Prozent der Teilnehmer mit Placebo.

Im VAS-Score, der von 0 bis 100 reicht, waren Gesamtsymptomatik, Blähungen, Schmerzen, Stuhlkontinenz und Müdigkeit mit knapp 40 zu etwa 20 Punkten am Ende der Beobachtungsphase signifikant ausgeprägter.

Fäkales Lactoferrin, Sprue-Antikörper, hochsensitives CRP oder Marker der intestinalen Permeabilität blieben aber unverändert, Anti-Gliadin-Antikörper wurden nicht induziert.

Layers Fazit: Bei refraktärem Reizdarm kann eine probatorische, zeitlich begrenzte glutenfreie Diät gerechtfertigt sein.

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